McLeod Ganj liegt größtenteils auf einem Bergkamm mit viel Aussicht zu beiden Seiten. Leider gehört unser in der Nacht gefundenes Hotel nicht zu denen mit einem freien Blick auf die umliegenden Berge und außerdem ist es für den relativ hohen Preis nicht sehr sauber. Ich habe in der Nacht noch auf frische Bettwäsche bestanden, denn die, die gerade aufgezogen war schien schon mehrere Gäste beherbergt zu haben. Wir nutzen also unseren ersten Vormittag hier, um uns nach einer anderen Bleibe umzusehen und nebenbei den Ort etwas kennenzulernen.
McLeod ist der Exilsitz der tibetischen Regierung und wenn er nicht gerade auf Reisen ist, lebt auch der Dalai Lama hier. Obwohl wir nach wie vor in Indien sind, ist Tibetisch hier die Hauptsprache. Der Ort ist geprägt von buddhistischen Tempeln, tibetischen Massage- und Heilzentren und buddhistischen Buchläden. Die meisten Flüchtlinge aus Tibet siedeln sich hier an. Beim Besuch eines Klosters erzählt mir ein tibetischer Student, dass Eltern teilweise viel Geld dafür zahlen, dass ihre Kinder nach McLeod gebracht werden, wo sie sicher sind und eine kostenlose tibetanische Schulbildung bekommen. So kam auch er als kleiner Junge ohne Eltern nach McLeod. Es ist eine traurige Geschichte, die dahinter steckt. Die chinesische Regierung hält Tibet seit Jahrzehnten besetzt, unterdrückt die Tibeter in ihrer Religionsausübung und wendet oft drakonische Maßnahmen an um ihre Interessen in Tibet durchzusetzen. Am Tag vor Weihnachten nehmen wir an einer Gedenkfeier für ein 19-jähriges Mädchen teil, das sich am Vortag aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung selbst angezündet hat. Schon über 130, meist junge Tibeter haben sich aus Protest selbst verbrannt. Am selben Tag verbrennt sich ein weiterer Tibeter. Uns wird mal wieder sehr bewusst, dass wir Europäer mit unserem Geburtsort das große Los gezogen haben. Dass in Deutschland niemand in solcher Armut leben muss wie ein Großteil der Inder und niemand so unterdrückt wird wie die Tibeter.
Weihnachten zieht fast unbemerkt an uns vorbei. Die wenigsten Lokale in McLeod sind weihnachtlich geschmückt. Christen gibt es kaum, höchstens ein paar unter den wenigen Touristen. Ein kreativer Inder schlurft verkleidet als Weihnachtsmann abends über den Marktplatz und verteilt Süßes. Wir haben beschlossen, uns dieses Weihnachten nichts zu schenken. Die Reise ist mehr als genug Geschenk. Während der Feiertage genießen wir die Ruhe, die sonnige Dachterrasse in unserer neuen und günstigeren Unterkunft und den tollen Ausblick auf die schneebedeckten Berggipfel. Zwischendurch machen wir immer mal wieder kleine Abstecher zu einigen der sehenswerten Einrichtungen in McLeod. Wir besuchen den Tempel des Dalai Lama, folgen dem Gebetsweg entlang der unzähligen Gebetstrommeln und vorbei an der großen Gedenktafel mit Portraits aller Tibeter, die sich aus Protest selbst entzündet haben. Überall zwischen den Bäumen hängen buddhistische Gebetsflaggen in den fünf Farben, welche im Tibetischen die Elemente darstellen. Auf den Fahnen stehen Gebetsmantras, die durch das Flattern im Wind zum Himmel getragen werden sollen.
Auch Wandern steht wieder auf dem Programm. Die bekannteste Route in der Gegend führt zu einem Wasserfall. Als wir nach einer knappen Stunde schon ankommen und wir ein Restaurant und dutzende Hippies und Kiffer dort vorfinden, beschließen wir weiter zu gehen. Es gibt einen Pfad, der bis hinauf zum Gipfel führt. Auf dem Weg gesellt sich einer der vielen streunenden Hunde zu uns. Ganz spontan taufen wir ihn Lolek. Lolek scheint sich gut auszukennen und wir haben ihn auf dem sich steil empor windenden Pfad gern dabei. Wir bleiben nicht lang zu dritt. Unterwegs treffen wir Hinkebein. Er kommt wohl grad von oben, aber anscheinend macht es ihm nichts aus, uns nochmal zu begleiten. Wir nennen ihn so, weil er eine gebrochene Pfote hat und dreibeinig den Berg mit uns hinauf hüpft. Der Weg führt uns auf ein Hochplateau mit einem kleinen Tempel und einem verlassenen Bergdorf mit kleinen Steinhütten. Hier ist schon länger kein Mensch mehr gewesen und andere Wanderer treffen wir auch nicht. Der Kamm ist noch sehr weit weg, aber irgendwie verliert sich der Wanderweg am Dorf. Nach einer kurzen Pause entscheiden wir uns, es einfach querfeldein zu versuchen. Wir sind froh, als wir nach drei Stunden kraxeln mal wieder auf ein Plateau zum Verschnaufen treffen. Der Gipfel scheint zum Greifen nah. Ich kann nicht mehr, aber Moppi will unbedingt noch hinauf. Eine halbe Stunde hat er Zeit, machen wir aus, sonst wird es zu spät um im Hellen wieder unten anzukommen. Wir sind beide total überrascht über unsere Hunde, als Lolek wie selbstverständlich Moppi begleitet und Hinkebein bleibt, um mir Gesellschaft zu leisten. Die abgemachte halbe Stunde vergeht und kein Moppi ist in Sicht. So langsam mache ich mir Sorgen. Er hat weder Handy noch Proviant dabei und es wird bald dunkel. Nach anderthalb Stunden taucht er verdreckt und entkräftet wieder auf. Er hat den Gipfel erreicht, aber den falschen Weg zurück genommen, ist durch Sträucher hinabgerutscht, auf allen Vieren wieder hinauf und hat dann doch den Weg wiedergefunden. Der treue Lolek war ihm dort oben zwar keine Hilfe, aber immerhin ein kleiner Trost. Mit den beiden Hunden machen wir uns schnellstmöglich an den Abstieg und schaffen es mit Anbruch der Dämmerung in den Ort, wo die beiden ihren Stammplatz wieder beziehen und wir uns erschöpft nach Hause schleichen.
Christmas in the Tibetan Exile
McLeod is situated mainly on a crest with a beautiful view at both sides. Unfortunately the hotel we found late at night does not have an open view on the mountains around. Furthermore it was not very clean despite the quite high price. In the first night I had to insist on fresh sheets as the old ones obviously were used by quite a number of previous guests. So the first morning we went to find another accommodation and to get to know the surroundings.
McLeod is the place of exile of the Tibetan government and when he is not travelling it is also the home of the Dalai Lama. Even though we are still in India, Tibetan is the main language here. The place is full of Buddhist temples, book shops, and Tibetan massage and medical parlours. Most of the refugees from Tibet settle here. When visiting a monastery a Tibetan student told me that some parents pay a fortune to have their kids brought to McLeod where they are safe and where they can get a free Tibetan education. That is how he came to McLeod as a little boy. The background story is quite sad. The Chinese government has been occupying Tibet for decades, oppressing Tibetans regarding the practice of their religion and oftentimes using draconic measures to enforce the Chinese agenda in Tibet. The day before Christmas we attended a commemoration for a 19 year old Tibetan girl who immolated herself the prior day in protest to the Chinese regime. The same day another Tibetan man died after self-immolation. More than 130 mostly young Tibetans already burnt themselves in protest. Again we learn that we are extremely lucky just by being born in Europe where nobody has to live in devastating poverty like many Indians and nobody is oppressed like the Tibetans.
Christmas went by almost unnoticed. The least bars and restaurants were decorated for Christmas. Anyway there were hardly any Christians, except for maybe some of the other tourists. One of the few hints to Christmas was a creative Indian dressed up as Santa Claus shuffling around the centre distributing sweets in the evening. We decided to not give us any gifts this year. The big trip is the biggest gift of all. During the festive days we just enjoyed the peacefulness, our sunny roof top terrace on top of our new and cheaper hotel, and the great view over the snow covered mountains. From time to time we took small trips to the places of interest in McLeod. We visited the temple of the Dalai Lama, followed the prayer walk passing all the prayer drums and the huge memorial wall with all the portraits of self-immolated Tibetans. Everywhere between the trees there were hanging Buddhist prayer flags in the five colors representing the elements in the Buddhist belief. On these flags were printed praying mantras. It is believed that by flapping in the wind these prayers will directly be carried to heaven.
We also went hiking again. The most popular route in that area leads to a waterfall. Having arrived after only one hour and having seen the restaurant with dozens of hippies and dope-heads we decided to walk on. There is a path leading on top of the mountain. On the way one of the many stray dogs joined us. Spontaneously we named him Lolek. Lolek seemed to know the area pretty well and we liked his company on this steeply uphill winding path. We didn’t stay a trio for long. On the way we met Hinkebein (limpy leg). Obviously he just came down from the top but didn’t mind joining us uphill again. We called him this way because he had a broken paw and was jumping three-legged up the hill. The path brought us to a plateau with a little temple and an abandoned mountain village with stone huts. It looked like there haven’t been people for a while and we didn’t meet any other hikers. The crest was still quite a bit away but somehow the path ended at the village. After a short break we decided to try it off the path. We were so glad to find another plateau to rest after three hours of climbing. The peak looked like within our reach now. I was too exhausted to go on but Moppi absolutely wanted to reach the top. We agreed that he has half an hour to go alone and not longer in order to make it back down in daylight. Both of us were surprised about our dogs‘ behavior as Lolek naturally followed Moppi; and Hinkebein stayed with me to keep me company. The agreed thirty minutes passed and no Moppi was in sight. I started getting worried. He neither had a phone, nor food and drinks and it would get dark soon. Only after one and a half hours he showed up totally dirty and exhausted. He reached the top but took the wrong path back down, went sliding down through bushes, climbed on all fours back up again and finally found the right way. The faithful Lolek was not of a great help up there, but he was indeed a comfort. With both dogs we hiked back down as fast as possible and made it back in town just before dusk. There the dogs left us to go to their regular place and tired as we were we sneaked back home.













