Sparky auf großer Fahrt (2)

Auf Empfehlung von Hetsie und Emil geht es am nächsten Tag nach Oudtshoorn, der Ort in dem Hetsie aufgewachsen ist. Einige Kilometer bevor wir die Stadt erreichen, passieren wir die ersten Straußenfarmen. Die ganze Gegend um Oudtshoorn ist fest in der Hand der Straußenzüchter. Hier sind Strauße gängige Nutztiere von denen die Eier, das Fleisch, die Federn und die Haut verwertet werden. Aus Letzterem wird Leder gemacht, das in der Preisklasse und Exklusivität fast mit Krokodilsleder konkurrieren kann. Selbstverständlich gibt es für Touristen die Möglichkeit, die Farmen zu besuchen und da wir schon mal da sind, nehmen wir diese natürlich auch wahr. Während der sehr professionellen Führung in deutsch gibt es immer wieder kleine Action-Einlagen. Moppi probiert alles aus, vom Strauße füttern bis zum Strauße reiten.

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Sockis Anblick macht die Strauße neugierig, aber auch etwas verwirrt

Mit Oudtshoorn als Basis nehmen wir uns einen Tag Zeit, um den Swartberg-Pass zu fahren, den uns österreichische Urlauber empfohlen haben. Es ist nur ein Schotterpiste, aber unser Sparky schlägt sich wacker. Der Ausblick, sowohl beim Hinauf- als auch beim Hinunterfahren ist es 100 Mal wert. Auf ganz normalen Straßen geht es am nächsten Tag dann weiter bis nach Knysna. Knysna liegt so ganz grob auf halber Strecke zwischen Kapstadt und Port Elisabeth, das Ende der Garden Route. Für viele, die die Garden Route in zwei Tagen fahren, ist dieses kleine Städtchen an der großen Lagune der bevorzugte Übernachtungsstopp. Entsprechend ist es touristisch sehr gut ausgebaut, mit einer Uferpromenade mit Restaurants und Cafés, per Auto leicht zugänglichen Aussichtspunkten auf die Meeresenge und diversen Freizeitangeboten. Alles sehr nett, aber nicht weltbewegend.

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Die Lagune von Knysna von einem der beliebten Aussichtspunkte

Wir müssen in Knysna wiederholt lernen, wie in Oudtshoorn schon, dass Südafrika derzeit eine Stromversorgungskrise durchmacht. Abends sind wir zum Skypen mit unseren Familien verabredet und pünktlich um 20 Uhr wird es zappenduster – Stromabschaltung. Die Hostelbesitzer erzählen uns unisono, dass seit dem Ende der Apartheid viele der wichtigen Posten gemäß der neuen Quotenregelung mit Schwarzen besetzt wurden. Anscheinend ist dabei einiges an Wissen und Erfahrung zum Betrieb, zur Wartung und zur Anpassung der Infrastruktur nicht transferiert worden. Die Nachlässigkeiten der letzten Jahre rächen sich jetzt. Es gibt nicht mehr genug Strom, um das ganze Land kontinuierlich mit Energie zu versorgen, deshalb werden die Distrikte abwechselnd planmäßig für einige Stunden vom Netz genommen. Normalerweise wird man vorher informiert, wann der eigene Bezirk wieder dran ist, oft stimmen diese Angaben aber einfach nicht.

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Ist es nicht krass, wie schön Natur sein kann?

Von Knysna ist es eine knappe Stunde Fahrzeit bis zu unserem nächsten Ziel, dem Storms River im Tsitsikamma Nationalpark. Das heißt, genug Freiraum für einen ausgiebigen Zwischenhalt an der Plettenberg Bay. Touristische Infrastruktur hatten wir in Knysna genug, jetzt steht uns die Sinn wieder nach etwas ungestörter Natur. Die etwa 4 Kilometer ins Meer ragende Halbinsel im Süden von Plettenberg, kurz Plett genannt, ist dafür ein bestens geeigneter Ort. Auf ihr befindet sich das nur zu Fuß zugängliche Robberg Marine- und Naturreservat. Der Rundpfad über die Halbinsel ist wesentlich abwechslungsreicher als wir erwarteten hatten. Neben ganz bequemen Wanderstücken geht es abenteuerlich über riesige Geröllbrocken und auf flachen, rutschigen Felsen, beängstigend nah an der Brandung entlang. Der Schluss des Pfades führt an einer flachen Strandspitze vorbei, auf der ich ein bisschen verweile, während Moppi noch einen Abstecher auf eine kleine Vogelinsel am Ende der Strandspitze macht. Alles in Allem ein anstrengender, aber schöner Tagestrip.

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Bunjee Jumping? Nee, nicht mit uns.

Wir halten noch kurz in Plett um unsere Vorräte aufzufrischen und treffen dann kurz vor Einbruch der Dämmerung in unserer Unterkunft ein. Dieses Mal ist Zelten angesagt, allerdings die etwas bequemere Variante. Das Zelt ist bereits aufgebaut und innen erwartet uns statt Luftmatratzen und Schlafsäcken ein richtiges Bett mit Decken und einem halben Dutzend Kissen. Wir finden es sehr gemütlich. Von dem riesigen Park werden wir in den nächsten Tagen leider nur ein winzig kleines Stückchen erleben können. Zu groß ist er und zu viele andere Sachen wollen wir noch sehen. Im Park wechseln sich dichte Wälder mit tiefen Tälern und Bergketten ab. Über einem dieser Täler verläuft die unter Bungee Jumpern wohl weltweit bekannte Bloukrans River Brücke. 216 Meter hoch und damit die höchste Bungee Jumping-Brücke der Welt! Allein vom Zuschauen wird einem schwindelig, deshalb belassen wir es lieber dabei. Stattdessen probiere ich lieber Tubing aus: mit einem Reifen unter dem Hintern den Fluss hinab fahren. Leider ist der Wasserstand derzeit so niedrig, dass es regelrecht öde ist und es keine der erhofften mitreißenden Strömungen gibt.

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Schwimmweste und Helm für alle. So wild wirds dann leider doch nicht.

So langsam kommen wir zum Ende unserer persönlichen Garden Route Tour, passenderweise zu einem Ort der ein bisschen was vom Garten Eden hat. Unser letzter Stopp ist eine Ökofarm bei East London. Es gefällt uns hier so gut, dass wir direkt etwas länger bleiben. Das Farmgelände ist sehr weitläufig und ringsum von Wald begrenzt. Der Besitzer und sein Personal sind extrem umweltbewusst. Auch das letzte Stück Abfall wird kompostiert, verwertet oder irgendetwas wird daraus gebasteln. Einige Mitarbeiter sind auf Zeit hier und bekommen Kost, Logis und einen kleinen Lohn. Das zieht auch Studenten aus Europa an, die für ein paar Monate hier arbeiten und nebenbei das Land kennen lernen.

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Ein sehr schöner Ausklang für unsere Garden Route-Tour

Das Beste an dieser Farm ist aber die Terrasse und das allabendliche Treiben. Vom Pool oder von der Hängematte aus kann man dem Sonnenuntergang zusehen und darauf warten, wie Gänse und Enten zur Fütterung kommen und sogar Springböcke und Zebras aus dem Wald kommen, um auf den Grasflächen vor dem Farmhaus zu weiden. In unserer letzten Nacht trampelt eine Kuhherde direkt vor unserer Tür umher. Wir werden unsanft geweckt und als Moppi die Tür aufmacht sieht er sich Auge in Auge mit einem ausgewachsenen Bullen. Beide sind aber so verschlafen, dass nichts weiter passiert und der eine weiter zur Weide trottet und der andere zurück ins Bett. Am nächsten Morgen verschlafen wir grandios und verlassen Südafrika mit einer gehörigen Verspätung, die noch Konsequenzen haben wird.


Sparky’s big trip (2)

After a recommendation by Hetsie and Emil we drove to Oudtshoorn the next day, the city where Hetsie grew up. A few kilometres before entering the city we passed the first austrich farms. The whole area around Oudtshoorn is a place for austrich breeding. Here austriches serve as productive livestock whose eggs, meat, feathers, and skin are processed. The skin is used for leather production. The leather reaches almost the price level and exclusiveness of crocodile leather. Of course tourists can visit the austrich farms and now, as we were here, we did, too. During the very professional presentation there were some entertaining action parts. Moppi tried out everything, from feeding austriches to riding on them.

Using Oudtshoorn as a base we took a day to drive up the Swartberg pass, a warm recommendation by an Austrian couple. It was only a gravel road, but Sparky managed very well. The view when driving up and downhill was very much worth it. The day after we travelled on to Knysna, this time on regular roads. Knysna is situated approximately half way between Cape Town and Port Elizabeth, whereas the latter one is considered the end of the Garden Route. For most people who do the Garden Route in only two days this small town at the big lagoon is the preferred place to stay overnight. Accordingly it is quite touristy and well developed, with a waterfront with lots of cafes and restaurants, easily to reach viewpoints on the sea gate and many leisure activities. Everything was very nice, but not much more than that.

Like in Oudtshoorn we had to experience in Knysna the South African energy crisis. In the evenings when we had a Skype date with our families it got dark right at 8pm sharp. All the hostel owners told us the same story: since the end of apartheid many important posts were assigned to black people according to the quota defined by the BEE (Black Economic Empowerment). Obviously a lot of know-how and experience concerning operations, maintenance and infrastructure has not been transferred. The shortcomings of the last years take their toll now. There is not enough electricity to serve the whole country continuously. That is why all districts are switched off in a row for a few hours. Usually you get informed when it will be your district’s turn but often this information is simply wrong.

From Knysna it was only a one hour drive to our next stop: the Storms river in the Tsitsikamma National Park. So we had enough spare time to stop by at Plettenberg Bay. After our time embedded in a highly touristy infrastructure, we now felt more like unspoilt nature again. The peninsula reaching 4 kilometres into the sea south of Plettenberg, or short Plett, was our place to be. On this peninsula is the Robberg marine and nature reserve, only reachable by foot. The walking roundtrip across the isle was much more diverse than we expected. Some parts were easy and relaxing walking, some others were more adventurous where we hiked over huge rocks or shuffled over slippery stones, dangerously close to the surf. The path ended at a nice beach where I chilled out a bit while Moppi took an extra tour to the bird island at the other end of the beach. All in all this was a fantastic day trip!

We had a quick stop in the city of Plett to buy new supplies and at dusk we arrived at our accommodation. This time we were camping, but a more luxurious kind of. The tent was already set up, and instead of air mattresses and sleeping bags we had a cozy bed with many pillows inside. It was very comfy! Unfortunately we had a limited time frame for our stay here which ment that we could only see a small fraction of the huge Tsitsikamma park the next days. It was just too big and we wanted to see so much more. Within this natural park you can see dense woods, deep valleys and high mountains in a row. The Bloukrans River Bridge crosses one of the deepest valleys and is a world famous bungee jumping bridge, being the highest with 216 meters. Just watching the bungee jumpers made us feel dizzy, so we left it at watching. Instead of that I tried out tubing: sitting on a rubber tyre and floating down the river. At the end I was a bit disappointed because the water level was that low that it was kind of boring and there were none of the fast currents I was hoping for.

Slowly we came to the end of our personal Garden Route trip. It fit quite well that our last stop felt a bit like Garden Eden. We stayed at an eco farm outside East London. We liked it so much there that we even extended our stay. The farm area was huge and bordered by forests. The owner and his personnel are extremely ecologically conscious. They make compost out of the trash and even the smallest piece of junk is recycled or used for handcrafting. Some staff members have a limited contract, and they get food and accommodation and some small salary. Even students from Europe are attracted by this concept, they come for work and travel.

What we liked best about this farm was its terrace and what was going on in the evenings. You could hang out in the pool or in the hammock, watch the sunset and wait for the ducks and goose to come for their feeding and after a while even springboks and zebras came out of the wood to eat on the vast grass lands. During our last night a cow herd came trampling around our porch. We were woken up abruptly by that noise. When Moppi opened the door he found himself eye to eye with a grown up bull. Both were so tired that nothing else happened; the one trotting back to the meadow and the other one crawling back to bed. The next morning we overslept so much and we would leave South Africa so late that we would suffer the consequences.

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