Unser nächstes Ziel ist Lesotho, das höchstgelegenste Land der Erde. Selbst der tiefste Punkt des Landes liegt immer noch über 1400 Metern. Lesotho ist eines der Länder, die auch heute noch einen König haben. Seine Lage und seine Staatsform haben dem Land den Beinamen „Königreich im Himmel“ eingebracht. Allerdings nimmt Letsie III. heute keine regierende Funktionen mehr wahr, sondern dient eher als Repräsentant des Landes.
Es gibt nur wenige Lodges und Hostels in dem kleinen 2 Mio Einwohner Land. In einer der ältesten, der Malealea Lodge, habe ich unseren Besuch angekündigt. Freundlicherweise informieren uns die Besitzer, dass wir besser nicht später als Sonnenuntergang ankommen. Der Feldweg zur Lodge ist im Hellen schon schwer befahrbar und nachts ganz sicher kein Vergnügen. Da wir aber in East London so dermaßen verschlafen haben, ist es bereits dunkel als wir die lesothische Grenze erreichen. Und von dort sind es mindestens 70 Kilometer bis zur Lodge. Die Grenzbeamtinnen winken uns freundlich durch, Moppi scherzt mit ihnen ein bisschen und irgendwie fühlt es sich eher wie bei guten Bekannten an, als wie an einer Grenzstation. Bei den inzwischen zahlreichen Stempeln in unseren Pässen werden die Blicke etwas neidisch und ein kleiner Seufzer ist auch dabei. Wir stellen mal wieder fest, wie gut wir es haben und wie sehr der Zufall über die Möglichkeiten in einem Menschenleben bestimmt.
Unsere bisherige Fahrt durch Südafrika kam uns vor wie das Blättern in einem Hochglanz-Reiseprospekt. Extrem schön aber irgendwie nicht authentisch. Lesotho fühlt sich anders an, natürlicher, ehrlicher, nicht so aufgemotzt. Es braucht eine gute Stunde durch die unbeleuchteten Dörfer bis wir zu dem uns bereits angekündigten Schotterweg kommen. Der geht erstmal einige Kilometer bergauf bis zu den Toren von Eden, dem höchsten Punkt des Passes, und dann immer am Abhang entlang bergab. In den Außenkurven leuchten die Scheinwerfer einfach nur in die unendlich scheinende Dunkelheit. Der ganze Untergrund ist loser Schotter mit vielen spitzen Steinen, die teilweise so groß sind, dass wir ihnen ausweichen müssen. Die unzähligen Schlaglöcher zeichnen sich im Scheinwerferlicht auch nur als schwarze Flecken ab. Hin und wieder rutschen wir beim Bremsen ein paar Meter auf den steileren Stücken und die Anspannung steht sowohl Moppi als auch mir ins Gesicht geschrieben. Vollgepumpt mit Adrenalin aber gleichzeitig auch ziemlich k.o. kommen wir um 22 Uhr, kurz vor Stromabschaltung, an. Wir beziehen zügig unsere Basothohütte, eine kleine Rundhütte, die nur mit Bett und Stuhl möbliert ist, und ich verbringe noch etwas länger im Gemeinschaftsbad bis sich meine Übelkeit von der Fahrt gelegt hat.
Malealea war einst eine der ärmsten Kommunen Lesothos. Die Tatsache, dass es den Leuten hier heute ganz gut geht, ist zu großen Teilen auch den Betreibern der Lodge zu verdanken. Die Lodge selbst beschäftigt viele Einheimische und alle Aktivitäten, wie Wandern, Dorfführungen, Radtouren oder Ponytrekking werden von den Anwohnern Malealeas durchgeführt und die Lodge vermittelt lediglich. Am beliebtesten sind die Ponytreks durch die Berge. Die klingen zwar auch für uns sehr spannend aber uns sind die Knieschmerzen vom Reiten in der Mongolei noch gut in Erinnerung. Deshalb entscheiden wir uns stattdessen für eine Mountainbikingtour durch die nähere Gegend. Unser Guide heißt kurioserweise Malealea, sein Großvater war einer der ersten Siedler im heutigen Dorf. Er nimmt uns ganz schön ran. Es geht hoch und runter, über Stock und Stein und durch Felder und Wiesen. Solche Radstrecken sind wir Großstadtradler gar nicht gewohnt. Unsere Hintern und die Oberschenkel erinnern uns am nächsten Tag noch an die wilde Fahrt.
Die Tour durchs Dorf gestaltet sich da wesentlich entspannter. Wir sind gerade in der örtlichen Bierbrauerei eingekehrt, als sich die Himmelsschleusen öffnen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als bei der Dorfbrauerin, die die Hälfte ihrer bescheidenen Hütte mit einem Tuch abgetrennt in eine Art Kneipe mit Getränkekisten als Sitzgelegenheit umgewandelt hat, auszuharren und noch einige ihrer, in einer Tonne gebrauten, Biere zu trinken. Einige Damen und Herren aus dem Dorf tun es uns gleich und wir lauschen dem gewaltig auf das Blechdach prasselnden Regen und den wahrscheinlich aktuellen Dorfneuigkeiten. Als der Regen nach einer Weile etwas nachlässt, kommt unser großes Highlight. Wir haben unseren Führer gefragt, ob wir die Dorfschule besuchen können. Das ist anscheinend nicht üblich, aber da wir nur zu zweit sind und es Freitag Nachmittag ist, geht es in Ordnung. Als wir ankommen laufen gerade die letzten 10 Minuten der letzten Unterrichtsstunde. Wir sind in einer 7. Klasse, die gerade eine Matheprüfung geschrieben hat. Die Aufgaben stehen noch an der Tafel und wir sind sehr beeindruckt – es ist nicht gerade trivial! Alle Aufgaben sind auf Englisch und bei mindestens einer Aufgabe sind wir sicher, dass dieses Thema in Deutschland noch nicht in der 7. Klasse behandelt wird.
Die Schüler sind recht ruhig und teilweise sogar richtig schüchtern. Entweder wegen uns oder vielleicht sind sie einfach nervös, weil sie gleich ihre Testnoten erfahren werden. Wir lassen die Klasse allein und gehen zusammen mit dem Lehrer einen Raum weiter, in eine (unbeaufsichtigte) 4. Klasse. Es ist ein Tohuwabohu. Moppi reißt die Arme hoch und ruft „Juhu“ und die Kinder flippen völlig aus. Sie beginnen zu singen und zu tanzen und wollen alle unbedingt fotografiert werden und fast noch wichtiger: sich gleich auf den Bildern ansehen. Nachdem der Lehrer und Moppi den Raum schon verlassen haben, werde ich von der lachenden und unbedingt aufs Foto wollenden Kinderhorde fast überrannt (siehe Startbild). Nachdem wir auch die erste Klasse besucht haben, sitzen wir noch eine Weile im Lehrerzimmer, einer extra Hütte etwas abseits auf dem Schulgelände, und unterhalten uns mit dem Mathelehrer und drei weiteren Lehrerinnen, die mit uns ihre frittierten Teigtaschen teilen. Danach geht es, wieder mit unserem Guide, in die Vorschule, die erstaunlich gut ausgestattet ist und von der Größe mal abgesehen (ca. 40qm), auch mit deutschen Kitas mithalten kann. Es gibt eine Bastelecke, einen Bereich mit Bauklötzen und Autos, eine kleine Biostation, einen Maltisch sowie die Puppenecke und die Spielküche. Ganz geheuer scheint den Kindern unser Besuch nicht zu sein, sie sind total still und artig und wirken etwas eingeschüchtert. Ganz zaghaft und unter Anleitung ihrer beiden Erzieherinnen bringen sie uns aufgestellt in Reih und Glied zum Abschied ein kleines Ständchen.
The Kingdom in the Sky
Our next destination would be Lesotho, the highest country on earth. Even its lowest point is above 1400 meters of altitude. Lesotho is one of the countries still reigned by a king. Its altitude and government thus got it its by-name „Kingdom in the Sky“. The king Letsie III. is nowadays not governing anymore, but rather serves as the country’s representative.
There are only very few lodges in this small 2 million people country. One of the oldest ones is the Malealea Lodge. I already announced our visit and the owner was kind enough to advise us not to arrive later than dusk. The gravel road leading to the lodge is very hard to drive even during the day, so at night it would be quite dangerous. But as we overslept so much in East London it was already dark when we arrived at the Lesothon border. From there it would take another 70 km to the lodge. The border staff was very friendly and let us pass quickly. Moppi was joking a bit with these ladies and it rather felt like meeting some friends than being at an official border post. When they saw the by now many stamps in our passports they gave us some envious looks and a sigh. Again we had to realize how damn lucky we are and how much coincidence rules your opportunities in life.
Driving around in South Africa seemed to us more like flipping the pages of a glossy travel magazine. Extremely stunning, but somehow not authentic. Lesotho felt different, more natural and honest, not so polished. It took a full hour to drive through the unlit villages until we found the announced gravel road to the lodge. First it just went uphill until we reached the highest point of the pass, the Gates of Eden. Then the path only went downhill. When passing the outward turns Sparky’s lights were just shining in the infinitely looking darkness. The ground only consisted of loose gravel and some bigger sharp stones that we had to circumnavigate. The many big potholes just appeared as huge black patches. Sometimes we were sliding a few metres when breaking on the steeper parts and you could almost grasp the nervous tension in the air. Drugged up by adrenalin but yet exhausted we arrived around 10 pm, just minutes before the electricity is switched off at the lodge. We quickly moved in to our Basotho hut, a traditional round hut, only furnished with a bed and a chair, and I spent a long time in the dark bathrooms to recover from my travel sickness.
Malealea used to be one of the poorest communities in Lesotho. Thanks to the founders of the lodge the people are much better off nowadays. The lodge itself employs many locals and all the activities that they offer such as hiking, village tours, mountain biking tours, and pony trekking are carried out by local people, the lodge only serves as agent. The most popular tours are pony treks in the mountains. The trip sounded appealing to us but we remembered to well our sore knees from riding horses in Mongolia. Therefore we preferred to go mountain biking to see the surroundings. Odd enough that our biking guide’s name was Malealea, his grandfather was one of the first settlers in the village. He was quite demanding, we went up and down, over hill and dale, across fields and grasslands. Big city bikers as are, we were not prepared for such a terrain. Our sore butts and thighs would remind us the next day of the wild ride.
In comparison our walking tour around the village was much more relaxed. We just arrived at the local beer brewery when it started raining cats and dogs. So we had no choice other than staying with the brewing lady who turned part of her humble house into a pub. A curtain divided the pub from her private corner and some empty beer crates served as bar stools. So we waited there for the rain to stop and had some more of her in a barrel homemade beer. Some men and women did the same as we did and we were listening rain drumming on the tin roof and most probably the latest village gossips. When the rain slowed down a bit we came to our big highlight. We asked our guide to bring us to the village school. Obviously this was not common practice but as it was a Friday afternoon and only the two of us it was ok. We arrived during the last ten minutes of the last class. We came into a 7th grade who had just written a maths exam. The problems were still written on the blackboard and we were really impressed – it was not trivial! All the exercise were in English and about at least one topic we were sure that this is not taught in a 7th grade in Germany.
The students were quite silent and some were even shy. Either this was because of us strangers or they were simply nervous because they were about to find out their exam results. We left the class alone and the teacher brought us to the next room, an unsupervised 4th grade. It was a hullabaloo. Moppi went in, raised his arms and shouted „juhu“ and the kids literally freaked out. They started singing and dancing and everyone wanted to be on the photos and even more important than that: they wanted to see themselves immediately in the pictures. After Moppi and the teacher already left the room I was held back by the laughing kids who wanted to have their pictures taken (see article picture). After this class visit we were sitting with the math teacher and his three colleagues in the teachers‘ room, an extra hut further away from the classrooms. We talked to the teachers about schools and the women shared their fried bread rolls with us. Afterwards we went with our guide to the preschool which was very well equipped and despite its size (ca. 40 sqm) indeed comparable to a German kindergarten. This kids had a handcraft corner, toy blocks and cars, a little gardening area, a drawing table, and a doll corner with a toy kitchen. Maybe they found our visit a bit intimidating because they were really silent and behaving. Standing in lines and guided by their two kindergarten teachers they were tentatively singing us a song as farewell.














