Übers Wochenende bleiben wir erst einmal in Johannesburg. Wir müssen unseren kleinen Sparky zurück geben und uns überlegen, wie es überhaupt weitergehen soll. Es soll auf alle Fälle weiter durch Afrika gehen, die Frage ist nur: Wie? In den ländlichen Gegenden wird es ohne Auto kompliziert und viele Orte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer oder gar nicht zu erreichen. Eine geführte Tour wollen wir nicht machen. Das ist uns zu unflexibel und irgendwie auch zu unabenteuerlich. Es kommt eigentlich nur wieder ein Mietwagen in Frage.
Die Einigung auf unsere nächsten Reiseziele geht schnell. Es wird Botswana und Namibia und vielleicht auch Zimbabwe werden. Als wir dann eines Abends beim Recherchieren auf einen Anbieter stoßen, der Allrad-Jeeps inklusive kompletter Campingausrüstung vermietet, steht auch unser Transportmittel fest. Freitags fragen wir beim Vermieter an und hoffen, dass es nach dem Wochenende am Montag losgehen kann. Moppi ist total aus dem Häuschen und kann kaum an etwas anders denken, als den bevorstehenden Trip. Ich schaffe es dennoch ihn dazu zu bewegen, den Samstag und Sonntag zu nutzen um Johannesburg zu erkunden.
Allzu beeindruckend finden wir die Stadt nicht. Es ist eben das wirtschaftliche Herzstück des Landes und hat landschaftlich nicht so viel zu bieten wie beispielsweise Kapstadt. Wir sind in einem großen, geschmackvoll eingerichteten Haus bei einem Künstlerehepaar untergekommen. Ihr schöner Garten ist eine kleine Oase mit weitem Blick über die Johannesburger Betonwüste. Unser Programm für Johannesburg hat genau genommen nur einen prominenten Eintrag: das Apartheid-Museum! Bereits die Eintrittskarten sind eine erste kleine Geschichtsstunde. Per Zufall wird man mit der Karte als weiß oder schwarz klassifiziert und muss dementsprechend verschiedene Eingänge benutzen.
Auch die Südafrikaner wurden zu Beginn der Apartheid klassifiziert, in Weiße, Schwarze, Farbige, Inder, usw. Die Klassifizierung wurde auf dem Ausweis eingetragen und je nachdem zu welcher Gruppe man gehörte, musste man z.B. bei öffentlichen Gebäuden separate Eingänge benutzen oder durfte sich im Park nur auf bestimmte Bänke setzen. Das übergeordnete Ziel war eine Vermischung der verschiedenen Rassen zu vermeiden. Schwarzen und Farbigen wurden geringerwertige Eigenschaften zugeschrieben, die nicht auf die weiße Rasse übergreifen sollten. Mit den getrennten Eingängen im Museum bekommt man eine winzige Vorstellung davon, wie sich die Rassentrennung angefühlt haben muss.
Neben den Beschreibungen der vielen alltäglichen Einschränkungen der Nicht-Weiß gibt es auch eine Sonderausstellung, die eindrucksvoll das Leben und Wirken Nelson Mandelas nachzeichnet. Alles ist super aufbereitet, mit Videos, Ausstellungsstücken und Erfahrungsberichten, und wir verbringen den ganzen Nachmittag im Museum. Am Ende werden Moppi und ich, mit den restlichen Besuchern, vom Museumspersonal höflich nach draußen befördert. Wer jetzt denkt, dass Apartheid ein Relikt der Vergangenheit ist, täuscht sich aber. Die Nachwirkungen sind allgegenwärtig. Unsere Reise stellt zwar nur eine winzige Stichprobe dar, aber unsere Gastgeber in Südafrika sind ausnahmslos weiß, deren Hausangestellte ausnahmslos schwarz.
Die jetztige schwarze Regierung hat ein Konzept entwickelt, um die wirtschaftliche Lage der zuvor benachteiligten schwarzen Bevölkerung zu verbessern. Manche der Maßnahmen sind aber derart rigoros, dass es seit Jahren zu einer umgekehrter Diskriminierung kommt. Höhere Posten, die zuvor mit Weißen besetzt waren, werden jetzt der Quotenregelung gemäß durch Schwarze bekleidet. Weiße Uniabsolventen haben Schwierigkeiten, einen Job zu finden und viele gut Ausgebildete (Weiße und Farbige) verlassen das Land. Die Verdrängung oder der Weggang von Experten führt zu Problemen wie z.B. bei der Stromversorgung durch den Eskom Konzern, der nicht mehr gewährleisten kann, dass das ganzen Land kontinuierlich mit Energie versorgt wird. Das ist zumindest das Bild, das uns die Weißen, mit denen wir reden, zeichnen. Manche Farbige berichten uns, dass sich ihre Situation seit Ende der Apartheid ebenfalls nicht verbessert hat. Viele Maßnahmen zielen ausschließlich auf Schwarze ab und lassen die Farbigen außen vor. Leider sind wir mit keinem Schwarzen so tief ins Gespräch gekommen, um die andere Seite zu hören.
Der Montag kommt und es gibt kein Auto für uns, aber wir können am Dienstag eins haben. Es ist zwar für vier statt zwei Personen, mit Doppelkabine und zwei Dachzelten, aber nur unwesentlich teurer. Also nehmen wir es. Über eine Stunde dauert die Einführung für den Allradantrieb, den Zeltaufbau und die Campingausrüstung. Direkt danach decken wir uns im Supermarkt mit Lebensmitteln für zwei Wochen ein und los geht es, Richtung Botswana. Mit 120 Litern Benzin, einem gefüllten 40 Liter Frischwassertank, 2 Ersatzrädern und unserem High-Lift Jack (großer Wagenheber) sind wir für alles gerüstet.
Die Route nach Botswana steht ganz grob. Durch die lange Übergabe und den ausgiebigen Einkauf schaffen wir es heute aber nicht bis zur Grenze. Nach 270 Kilometern geht die Sonne langsam unter und wir suchen uns einen Campingplatz. Die einzig ausgeschilderte Lodge in der Nähe hat geschlossen, aber zum Glück treffen wir unterwegs auf zwei Ortskundige, die uns einen anderen Campingplatz empfehlen. Der hat dann auch geöffnet und macht einem den Einstieg ins Campingleben super angenehm. Die Anlage ist top gepflegt und es gibt einen riesigen beheizten Pool fast nur für uns. Als wir erschöpft am Abend in unserem Zelt auf dem Wagendach liegen, wird die Stille durch leises Hufgeklapper gestört. Wir schauen aus dem Zelt und mitten über den Campingplatz trabt eine ganze Zebraherde. Irre! So angenehm kann das Campen gern weitergehen.
Joburg and beyond
For the weekend we stayed in Joburg. We had to say farewell to Sparky and figure out how to travel on. For sure we wanted to travel Africa a bit further, but the question was: how? Especially the rural areas are hard to reach by public transport. We didn’t like the idea of a guided tour. It seemed not flexible enough for us, and somehow not adventurous. Again, a rental car would be the top choice.
Deciding where to go was quite easy. It’s going to be Botswana and Namibia and maybe Zimbabwe too. One night doing our research we found a rental company offering four wheel drive vehicles including tents and camping gear. There it was, our adventure. On a Friday we requested a vehicle in the agency and hoped we could leave the next Monday. Moppi totally freaked out and all he thought about was our upcoming trip. Anyway I could convince him to explore Joburg a bit while waiting for the agency’s reply.
The city didn’t seem too impressive for us. Well, it is the country’s economic hub and it doesn’t offer much natural beauty such as Cape Town. We stayed in a big and fancy house with an arty couple. Their beautiful garden was a little oasis with a view over the concrete jungle of Joburg. Actually our itinerary for Joburg only had a single priority one sight: the Apartheid Museum. Already the tickets were a little history lesson. By coincidence the guests are classified as black or white and therefore had to use different entry doors.
South Africans too were being classified at the beginning of Apartheid, as white, black, colored, Indian, and so on. The classification was written in people’s passport and depending on which group you belonged to you had to use different entries and toilets, sit on separate park benches and so on. The great goal was to hamper interracial mixing. Black and colored people were assumed to have inferior characteristics, that should not intrude the white population. Using the separate entries into the museum you could get a tiny glimpse of how this discrimination must have felt.
Besides the many stories of everyday life discrimination of non-whites there was a special exhibition about the life and work of Nelson Mandela. The whole museum was equipped with well researched stories, videos, and exhibition frames, so we spent the whole afternoon there until they closed and politely kicked us out. Well, don’t you think that apartheid is only a relict of the previous century! The consequences are pervasive. Our travels in South Africa were only a very small sample, but all of our hosts were white and all of their domestic workers were black without exception.
The current black government developed a concept to empower the economic situation of the black and previously underprivileged population. Some of their measures are that rigorous that there is a backward discrimination taking place now. High posts, previously occupied by white people are now held by blacks according to the new quota. White university graduates are struggling to find a decent job and many educated South Africans (both white and colored) leave the country for work. The crowding out effect of experts led to a brain drain and causes many problems, e.g. the omnipresent power shortages caused by the electricity supplier Eskom. At least this was the picture we got when talking to white people. Some colored people told us that their situation did not improve at all after the end of apartheid. Many measures specifically aimed to help the blacks, not considering the colored people so much. Unfortunately, we never got into such a deep conversation with black people. It would have been interesting to hear about their point of view.
Monday came and there was no vehicle for us, but on Tuesday we could rent one. It was a double cabin for four persons with two rooftop tents instead of the smaller one we requested, but the price didn’t differ much. The introduction for the four wheel drive and the camping gear took more than an hour. Right after that we drove to the next supermarket to buy supplies for two weeks and off we went heading to Botswana. With a 120 liter gas tank, a full 40 liter drinking water tank, two spare wheels and a high lift jack we were well equipped for every kind of adventure.
The route to Botswana was somehow fixed, but after the tedious rental process and our extensive shopping we didn’t make it to the border. After only 270 km the sun went down and we started looking for a camping site. The only signposted lodge was closed but luckily we met two locals who recommended us some other camp. This one was indeed open and it was the perfect place to get used to the world of camping. The place was very well maintained and there was a huge warm water pool we had almost only for ourselves. When we were lying tiredly on the rooftop the silence was broken by close by hoof noises. We looked out of the tent and right in front of us there was a zebra herd crossing our camping site. Awesome! That’s how we’d like our camping trip to continue.
















