Wir wechseln die Perspektive

Von Kasane aus fahren wir weiter Richtung Maun, in den Westen des Landes. Der kürzeste Weg führt uns noch einmal quer durch den Chobe-Nationalpark. Es gibt eine asphaltierte Straße, die ungefähr die Hälfte der Strecke durch den Park ausmacht. Aber auch hier kann es vorkommen, dass wir auf der Straße mal eine Giraffe vorbei lassen müssen. Der Rest des Weges sind dann wieder die üblichen Offroad-Pisten mit viel, viel Sand. Im ersten und zweiten Gang wühlen wir uns Richtung Maun und sind froh, als wir ohne größere Probleme dort ankommen. Das 50000-Einwohner-Städtchen besteht größtenteils aus einzelnen Hütten. Es gibt keinen historischen Stadtkern, aber ein paar Shoppingcenter und Fastfood-Läden. Wir quartieren uns auf einem Backpacker-Campingplatz ein und spannen nach den vielen, anstrengenden Kilometern erst einmal aus. Maun ist der Touristenumschlagsplatz für Touren ins Okavangodelta, eines der größten Inlanddeltas der Welt. Der mächtige Okavango fließt nicht, wie andere Flüsse, ins Meer sondern versiegt und verdunstet in diesem 15.000 qkm großen Delta mitten in Botsuana.

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Ganz gewöhnliche 'Fußgänger' am frühen Morgen

Die meisten Backpacker gehen auf geführte Paddeltouren, doch uns steht der Sinn eher nach einem Blick von oben. Mehrere Agenturen bieten Rundflüge an, aber für zwei Personen ist es recht teuer. Wir müssen Mitstreiter finden! Schnell kommen wir mit unseren Campingnachbarn ins Gespräch, zwei Norddeutsche, die ihren Camper von der selben Autovermietung haben wie wir. Sie hatten sich im Chobe-Park ordentlich festgefahren und den Unterboden demoliert. Bis das Wochenende vorbei ist und sie in die Werkstatt in Maun können, können sie sowieso nicht weiterfahren und lassen sich schnell für einen Rundflug begeistern. Ich buche also in der Lodge bei einem ziemlich griesgrämigen Angestellten einen Flug für uns vier. Buchen heißt, er ruft kurz bei der Agentur an und kündigt uns an. Uns wiederum sagt er nur, wann wir am Flughafen aufschlagen sollen, aber nicht wo genau. Dort angekommen finden wir diverse Agentur und stolpern kurzerhand ins erstbeste Büro. Wie sich herausstellt ist es nicht unser Anbieter, aber günstiger und ein Flug wäre sofort möglich. Da lassen wir uns von der netten Damen nicht lange bitten. Ich erinnere mich an die ausgesprochene Unfreundlichkeit unseres Agenten und habe keine Skrupel, ihn um seine Provision zu bringen.

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Hier einfach zu entdecken - in echt viel schwerer!

Man bringt unsere beiden Mitreisenden, Moppi und mich zügig zur Taschenkontrolle und schon geht es los. Nach einem etwas rumpligen Start sind wir schnell auf den geplanten 50 Metern und fliegen ca. 40 Kilometer ins Innere des Deltas. Trotz der geringen Flughöhe ist es nicht einfach Tiere zu entdecken. Jedesmal wenn jemand von uns einen Elefanten, ein Flusspferd oder eine Giraffe erblickt, gibt er ganz aufgeregt allen Bescheid, aber zack – schon vorbei. Aber wir sind ja auch hauptsächlich für die üppige Wasserlandschaft hier oben. In der einen Stunde Flug überqueren wir unzählige Flußarme, große und kleine Seen, Sumpfgebiete und überschwemmte Ebenen in denen Baumgruppen im meterhohen Wasser stehen. Der Übersicht aus der Vogelperspektive ist fantastisch und schon jetzt ist mir klar, dass dieser Rundflug für mich eins der großen Highlights unserer Weltreise sein wird. Ich kann mich kaum satt sehen und bedauere ein bisschen, wie nachlässig wir doch manchmal mit der Natur und der Schönheit unserer Natur umgehen.

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Nicht nur einmal haben wir Baumstämme mit Giraffen verwechselt

Leider viel zu schnell bringt uns unser südafrikanischer Pilot wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Abends sitzen wir an diesem Tag noch lange mit unseren beiden Mitfliegern zusammen und tauschen uns übers Campen im Allgemeinen und übers Reisen in Afrika im Besonderen aus. Kurioserweise haben wir uns nicht einmal gegenseitig nach den Namen gefragt. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns und gehen jeder seiner Wege; die beiden fahren zur Werkstatt und Moppi und ich Richtung namibischer Grenze. Unterwegs brandet bei uns eine alte Diskussion auf, die wir schon seit Lesotho führen. Fremde Anhalter mitnehmen oder nicht? Während ich äußerst skeptisch bin, sieht Moppi da weniger Probleme. In einer der wenigen Siedlungen, die wir passieren winken uns zwei junge Männer am Straßenrand zu. Während ich wahrscheinlich einfach weitergefahren wäre, hält Moppi an und erkundigt sich, was sie denn möchten. Sie erklären, dass sie heute zufällig auch dahin wollen wo wir hinfahren und dass sie uns helfen wollen. Allerdings standen sie dafür auf der falschen Straßenseite und ich ahne gar nichts Gutes. Nach einer Weile würgt Moppi das Gespräch ab und wir fahren weiter, ohne die beiden mitzunehmen. Im Gegensatz zu Moppi fand ich es schon viel zu riskant überhaupt anzuhalten. Diesen Streitpunkt konnten wir aber bis heute nicht klären.

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Eine tolle Crew für eine viel zu kurze Stunde

Unser Ziel ist der Dobe-Grenzübergang. Er ist für unsere weitere Route in Namibia der idealste. Die beiden nächstgelegenen Grenzstation Richtung Norden oder Süden würden einen Umweg von mindestens 300 Kilometern bedeuten. Erstaunlicherweise ist der Dobe-Grenzübergang in kaum einer Karte verzeichnet. Dementsprechend führt auch keine asphaltierte Straße dorthin, sondern 140 Kilometer Feldweg. Da der Grenzübergang dort dann gar nicht mehr ausgeschildert ist, verpassen wir die Abzweigung und finden nur per GPS am Ende doch noch den richtigen, etwas überwucherten Weg. Andere Autos oder Siedlungen haben wir da schon seit Stunden nicht mehr gesehen. Als wir endlich ankommen, trifft der Übergang in etwa unsere Erwartungen: eine kleine Holzhütte und ein Zauntor im Nirgendwo. Es wirkt skurril und wird noch skurriler werden.

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Volltanken dauert 15 Minuten mit unserem 140 Liter Doppeltank

Ein sichtlich angetrunkener Beamter nimmt uns in Empfang. Er klagt, dass es erst Montag sei und das nächste Wochenende noch so lang hin, und außerdem sei hier gar nichts los, wie wir ja sehen können. Ob wir denn nicht ein Bierchen für ihn dabei hätten, um die Wartezeit zu verkürzen. Nun gut, ein Bier könnte man schon mal abgeben, aber tatsächlich haben wir außer Wasser nichts an Bord. Indes gehen wir in die kleine Holzhütte und erledigen mit den Grenzdamen die Formalitäten. Zurück am Auto folgt uns der Grenzer wieder und fragt nochmals nach Bier. Ab jetzt wird er unangenehm aufdringlich. Wenn wir schon keinen Drink für ihn haben, dann sollten wir ihm wenigstens unsere restlichen botswanischen Pula geben, oder falls nicht, haben wir ja vielleicht schon namibische Dollar? Irgendwas würden wir ihm ja geben können, findet er. Während Moppi recht entspannt bleibt, wird mir etwas mulmig, denn auf einmal ist er gar nicht mehr so zurückhaltend, außerdem betrunken und bewaffnet, und wer würde uns jemals in dieser afrikanischen Ödnis suchen? Zum Glück öffnet seine Kollegin schon das Tor und wir fahren einfach drauf los, ins Niemandsland und nach Namibia.


A change in perspective

From Kasane we drove on towards Maun, in the west of Botswana. The shortest way to get there brought us again through Chobe National Park. There is one paved road in the park which was half of the way we needed to go. From time to time the situation occurred that we had to stop to let some giraffes pass. The rest of the way were just the usual offroad tracks with lots of sand. Using the first and second gear we were digging our way towards Maun and we were glad to arrive there without any major problems. The 50.000 people city consists mainly of single huts. There is no historical city centre, but some shopping centres and fast food stores. We checked into a backpacker camp site and relaxed for a while after these many stressful kilometres driven. Maun is the tourist hub to start a tour into the Okavango Delta, one of the world’s largest inland deltas. Unlike most other rivers the mighty Okavango river does not flow to the sea, instead it is ebbing and drying out within this 15.000 square kilometre delta in Botswana.

Most backpackers go on a guided paddling tour, but this time we preferred to take a look from above. Several agencies offer scenic flights, but it was quite pricy for only two people. So we had to find some other mates. Soon we got to know our camp neighbours, two guys from northern Germany who got their camping van from the same rental agency like us. They got badly stuck in Chobe Park and hence demolished their undercarriage. For the weekend they had to stay in Maun anyway and wait for a garage to open on Monday and we could easily convince them to join our flight. So I booked the flight in the lodge with some really unfriendly guy. Well, booking meant, he called some other agency and told them that we were coming. To us he only said when to be at the airport, but not exactly where. Having arrived there we saw all these agencies and went into the first office. It was not our booked trip, but they also offered us a flight right then right there for an even better price. The friendly lady on the office didn’t have to ask us twice and I didn’t even feel bad to screw the lodge guy’s commission.

Soon they brought us to the baggage control and off we went. After some bumpy start we quickly reached our 50m height and flew 40 kilometres into the delta. Even though we were not flying high it was hard to spot the animals. Each time one of us found an elephant, a hippo, or a giraffe we got excited and shouted to the others to look there – but oh it was already gone! But most of all we were up there for the vast wetlands instead of game. In this one hour we crossed many creeks, small and big lakes, swamps and flooded pans with groups of trees in the water. The view from a bird perspective was spectacular and I did realise that this scenic flight will be one of the top highlights of our trip around the world. I couldn’t see enough of this amazing landscape and regretted a lot how badly we humans treat nature and its beauty. Unfortunately our pilot brought us down to earth much too soon. In the evening we were sitting and talking very long to our new mates, about camping in general and travelling in Africa in specific. Funny but we never asked each other for our names. The next morning we said goodbye and moved on. The guys could finally go to the much needed garage and we headed towards the Namibian border.

On the road we continued our old argument that already started in Lesotho. Shall we take strange hitchhikers or not? I used to be quite sceptical, but Moppi didn’t see any problem there. When we passed one of the last settlements two young guys waved us to stop from the side of the road. I would have driven on but Moppi stopped to ask what they wanted. They told us that it was a real coincidence, but that day they wanted to go exactly where we wanted to go and they’d like to help us. Well, for our direction they were waiting on the wrong side of the road and I didn’t expect anything good. After some time Moppi quit the conversation and went on without taking them. Unlike Moppi I thought it was risky to stop at all. So far we couldn’t agree on this matter.

Our next destination was Dobe border point which was the shortest way to Namibia for us. The two second closest border points in the north and the south would imply a detour of 300 kilometres. Funnily the Dobe checkpoint was not marked in most maps. Therefore there was not even a paved road going there, only 140 km of gravel road. There were not even road signs leading us there and of course we missed the right junction. Finally we found the right, a little overgrown way using our GPS. We didn’t see any huts or other cars for the last few hours. When we finally arrived this border post met exactly our expectations: a little wooden hut and a gate in the middle of nowhere. It felt really odd and things should get even stranger soon.

An obviously drunk border official welcomed us. He was complaining that it was only Monday and it would be so long until the next weekend, and there was nothing going on at the border as we could see. He asked us to give him some beer to make the waiting time more bearable. Well, of course we could share some beer with him but unfortunately we didn’t have anything but water with us. Then we went into the wooden hut to sort out the paper work with his female colleagues. Back at the car the drunk official asked again for beer. Then he started getting really displeasingly intrusive. So if we didn’t have any drink to give him we might have some Botswanan Pula left, and if not we probably already have some Namibian Dollars? In his opinion we should have something we could give to him. Moppi stayed quite cool, but I got a bit nervous as this drunk guy was upset and armed and who would ever search for us in this African wilderness? Luckily one of the women already opened the gate for us and we just speeded through, into the no-man’s-land and further on to Namibia.

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