Sesam öffne dich

Direkt hinter der Grenze müssen wir gleich wieder halten, am namibischen Grenzposten. Aufgewühlt vom Erlebnis auf botsuanischer Seite gehen wir eher unentspannt hinein und sehen uns zwei ernst dreinblickenden Grenzbeamten gegenüber. Mit schweißnassen Händen fülle ich unsere Einreisepapiere aus. Als mich währenddessen auch noch einer der Beamten nach unserer Unterkunft für heute Nacht fragt, antworte ich vor lauter Aufregung falsch. Moppi springt daraufhin kurzerhand ein und zerstreut den aufkommenden Argwohn der beiden Grenzer indem er ein Gespräch über die gebräuchlichsten Begriffe in Landessprache beginnt. 30 Sprachen werden hier gesprochen, unter anderem Oshiwambo, die Muttersprache der beiden. Als wir versuchen ein paar der gängigen Floskeln nachzusprechen müssen beide Beamte herzhaft lachen. Danach verläuft alles in einer viel entspannteren Atmosphäre. Wir verabschieden uns nett und werden in die namibische Einöde entlassen.


image

Es ist schön, wenn man sich Zeit zum Beobachten nehmen kann

Auf den langen Weg ins Landesinnere sind wir froh, wenn wir hin und wieder mal einen Radiosender bekommen. Die Sender sind oft auf Englisch oder Afrikaans oder beides gemischt. Als wir dann irgendwann den ersten Sender in der namibischen Klicksprache bekommen, trauen wir unseren Ohren kaum. Wir hatten schon darüber gelesen, aber es wirklich zu hören überrascht uns dann doch. Zwischen den einzelnen Silben der Wörter gibt es immer wieder Laute, die wie Schmatzen und Schnalzen klingen. Es hört sich etwas unappetitlich an und ist für uns fast unmöglich auch nur halbwegs flüssig nachzusprechen. Da tun wir uns mit dem namibischen Deutsch schon leichter. Namibia diente von 1884-1915 dem deutschen Kaiserreich als Diamantenlieferant. Damals hieß es Deutsch-Südwestafrika. Heute leben hier immer noch viele Nachfahren der damaligen Kolonialherren. Sie sind weiß und sprechen ein sehr altertümliches Deutsch, sind aber Namibier. Wir sind schon sehr gespannt darauf sie zu treffen, wenn wir in ein paar Tagen Richtung Küste fahren werden.

image

Rein kamen wir in Etosha ganz einfach - raus war schwieriger

Unser erstes Ziel in Namibia ist aber der uns wärmsten von südafrikanischen Freunden empfohlene Etosha Nationalpark. Nach einer langen Fahrt auf kerzengeraden Feldwegen durch die Halbwüste und einer geruhsamen Campingnacht im Kupferquelle-Ressort ist er unser großes Tagesziel. Mit etwas Proviant und viel Neugier durchstreifen wir zuerst den Osten des Parks. Allerdings gibt der mit seiner großen weißen Etosha-Pfanne ein sehr karges Bild ab. Und bei so mauer Vegetation lässt auch die Tierwelt auf sich warten. Vom Chobe-Nationalpark sind wir natürlich ganz schön verwöhnt, aber auch Etosha enttäuscht uns nach einer Weile nicht. Riesige Herden Zebras und Gnus, hin wieder mal ein paar vereinzelte Giraffen und ein einsamer alter Elefant begegnen uns auf unseren Streifzügen.

image

Spießböcke mit teilweise beeindruckend langen Hörnern

Eigentlich ist der Park aber für seine weiße Nashörner bekannt. Auf der Suche nach genau diesen fahren wir stundenlang im Schritttempo den sogenannten Rhino Drive entlang und starren beide angestrengt links und rechts in den Busch. Nichts! Gar nichts!! Mittlerweile sind wir tief in den Park vorgedrungen und haben beim ganzen Ausschauhalten völlig die Zeit vergessen. In einer halben Stunde werden die Tore schließen und wir sind noch gute 40 Kilometer vom Ausgang entfernt. Um dass zu schaffen muss Moppi ganz schön Gas geben. Mit ständigem Blick auf die Uhr einer großen Staubwolke hinter uns geht es über Stock und Stein und fast auch ein Zebra Richtung Ausgang. Und als wir dort fünf Minuten vor der Schließzeit ankommen, ist das Tor bereits zu, der Riegel vorgeschoben und kein Personal mehr in Sicht.

image

Gnus - hässlich, träge, ein bisschen langweilig und überall zu sehen

In der aufsteigenden Dämmerung kurvt ein kleiner Junge auf seinem klapprigen Fahrrad vor dem Tor herum. Er weiß, wo die Wildhüterin wohnt und erklärt sich bereit, uns hinzubringen. Wir fahren ihm also hinterher in sein Dorf und bis vor die Für des entsprechenden Hauses, wo er auch gleich für uns anklopft. Eine ganze Weile tut sich nichts, bis schließlich eine schlecht gelaunte Frau in ein Badetuch gewickelt vor die Tür tritt. Anscheinend war sie schon beim Kochen und wir haben sie gerade in diesem Moment unter der Dusche hervor geholt. Es sieht so aus, als ob sie schon vor einer ganzen Weile Feierabend gemacht hat. Mürrisch setzt sie sich in ihr Auto, fährt mit uns zum Tor und lässt uns eher widerwillig hinaus.

image

Elegante Schwarznasen-Impalas - i.d.R. ein Männchen + viele Weibchen

Unsere letzte Aufgabe für heute ist die Suche nach einer Unterkunft. Inzwischen ist es dunkel geworden und wir beginnen, die Lodges, die wir auf dem Hinweg gesehen haben, abzuklappern. Leider sind es alles Luxusunterkünfte, die keinen Campingbereich haben und deren Zimmerpreise weit, weit über unserem Budget liegen. Irgendwann finden wir dann doch eine mit Campingplatz. Der Torwächter öffnet und erklärt Moppi, dass der ganze Campingplatz leider zum Brechen voll ist und es wirklich kein Platz mehr für uns gibt. Aber in solchen Fällen gibt es einen Notcampingplatz, gleich bei ihm am Eingang. Wir würden sein Bad mit benutzen und er gibt uns auch etwas Rabatt, da es ja ein Notfall ist. Allerdings müssten wir vor Sonnenaufgang wieder abreißen. Diese dreisten Lügen macht mich extrem wütend. Es ist tiefste Nebensaison, im Park sind uns den ganzen Tag kaum andere Fahrzeuge begegnet und ein Campingplatz, auf dem nicht noch irgendwo ein Plätzchen ist um unser Auto an den Rand zu stellen ist, gerade hier, schwer vorstellbar. Moppi würde in Anbetracht der Uhrzeit dieses „Angebot“ gern annehmen, aber ich bin so sauer, dass das gar nicht in Frage kommt.

image

Eine frustrierende Abweisung mit sehr angenehmen Folgen

Wo eine Tür zugeht, öffnet sich meist eine andere; im wahrsten Sinne des Wortes. Beziehungsweise öffnen wir uns die Tür selbst, denn an den großen Toren entlang der Straße gibt es keine Pförtner oder anderes Personal. Ich steige also aus, öffne mitten in der Nacht ein großes, unbeschriftetes Stahlschiebetor und wir fahren noch einen guten halben Kilometer durch die Wildnis dahinter. Am Ende erwartet uns eine Luxuslodge allererster Güte. Bis auf die Besitzer scheinen nur eine Handvoll weitere Gäste anwesend zu sein und leider gibt es auch hier keinen Campingplatz. Enttäuscht steigen wir in den Wagen, als uns eine junge Kellnerin hinterher läuft und uns bedeutet zu warten. Sie sagt, die Besitzerin bietet uns an, für einen kleinen Obolus, auf dem Parkplatz zu zelten und natürlich können wir auch die Waschräume nutzen. Wie sind überglücklich und sehr sehr dankbar. Wir sind gerade dabei unser Nachtlager in einer Ecke des Parkplatzes aufzubauen, als die Kellnerin noch einmal vorbei kommt. Im Namen der Besitzerin lädt sie uns recht herzlich auf einen Mitternachtskaffee und etwas Gebäck auf der Terasse ein. Da sitzen wir dann eine Viertelstunde später, auf der schicken Holzterasse, hinter uns der Pool, vor uns das beleuchtete Lodge-eigene Wasserloch, über uns der Mond und aus dem Dickicht kommen langsam die ersten Strauße, Impalas und Zebras. Mal wieder können wir unser Glück kaum fassen.


Looking for the white rhino

Right behind the border we had to stop again, this time at the Namibian border post. Stressed out by our recent border experience on the Botswana side we faced two grim looking officials. Sweaty handed I filled in our immigration papers. Meantime, when I was asked where we would sleep tonight, I answered wrong because of the agitation. Moppi helped me out by alleviating the officials‘ rising suspicion by asking them for some handy words in the country’s language. There are 30 languages spoken in Namibia, among others Oshiwambo, their mother tongue. They had a good laugh when we tried to repeat some phrases they told us. For us it was exactly what we needed to ease the tension. After a friendly farewell we were free to go, the Namibian emptiness awaiting us.

On the long ride into central Namibia we were happy every time we received a radio signal. Most radio stations send in English, Afrikaans or a mixture of both. When we received the first station sending in the Namibian click language we hardly believed our ears. We read about it, but hearing it in real still surprised us. Between the syllables there were smacking and tongue clicking sounds. It sounded a bit unappetizing and for us it would be impossible to repeat. In comparison, the Namibian German is of course quite easy for us to unterstand. Because Namibia was a German colony exploited for their diamond resources in the years 1884-1915 there are some areas where German is still spoken. Some descendants of the old colonial rulers still live here. Supposedly they are white, speak some old-fashioned German, but they are Namibian. We were curious to meet them when we would head to the coast in a few days.

Our first destination in Namibia was the Etosha National Park, a warm recommendation by some South African friends. After a long ride on straight gravel roads through the semi-desert and a quiet night at the resort Kupferqulle in the small town of Tsumeb, this park was our first big day trip. Equipped with some supplies and a big portion of curiosity we first roamed the Eastern part of the park. It looked quite barren with its big white Etosha salt pan. With this meagre vegetation there were hardly any animals to spot. In this regard the Chobe National Park in Botswana spoilt us very much, but Etosha did not disappoint us either. After a while and some driving we started to spot more and more animals, a few herds zebras, giraffes, one old elephant, and lots of wildebeests.

Actually the park is famous for white rhinos and we drove for hours the so-called rhino drive, both of us peering left and right into the bush, but nothing! No animals at all! Meanwhile we were so deep into the wild and we totally lost track of the time; the park would close soon and we still had quite a bit of distance to overcome to reach the exit gate. Watching the clock Moppi was racing, leaving a big dust cloud behind us, and five minutes before closing time we reached the gate, which, to our big surprise, was already closed and no personnel was in sight!

Only a young guy was circling around on his old shattering bike in the sunset. He knew where the gate guard lived and offered to take us there. So we followed him along to the park village, right to the guard’s house where he knocked. For a while nothing happened. Eventually a bad-humored woman wrapped in a bathing towel came out. She was about to cook dinner and she obviously had a shower, so we guessed that she already left her work a while ago. Grumpily she got into her car, drove back to the gate and reluctantly let us out.

The last task of the day was to find a place to sleep. By then it was already dark and we started canvassing the lodges that we saw on the way to the park this morning. Unfortunately all of them were luxury lodges without a camping area and room prices way beyond scope. At the only somewhat suitable location the gate guard opened and explained Moppi that the whole camp is over-crowded, there would be no space for us at all.  But luckily in this case he had an emergency camping spot to offer. Right next to the gate and we would be sharing the bathroom with him. He even offered us a discount as it was an emergency case. But we would have to leave before sunrise. This brazen lie made me angry as we all knew that it was the lowest of the low season. In the park we hardly met any other cars and a camp site that couldn’t squeeze in one more tent sounds really strange to us. Regarding the late hour Moppi was willing to accept this ‘offer’ but I was too upset to stay there.

If one door closes, another one opens up – literally. In this case it was us who opened the door for ourselves because almost none of the lodge gates along the road had a night guard. So in the middle of the night and somewhere in the middle of nowhere I got out of the car and opened a big unsigned steel gate and we drove another kilometre into the wilderness behind. At the end of the private road we found another luxury lodge, a five+ star place. Apart from the owners there was just a hand full of guests and as feared there was no camp site. Disappointed we got back into the car when a young waitress came running and asked us to wait. She told us the owner offered us to camp at the parking site for a small amount of money and we could use the restaurant’s bathroom. We were so happy and thankful. While we were busy setting up our tent in a corner of the parking the waitress returned. In the name of the owner she warmly invited us for a midnight coffee and cookies on the terrace.  Fifteen minutes later we were sitting on that chic terrace, a pool behind us and in front the very own illuminated water hole of the lodge, the moon above us, and slowly the ostriches, impalas and zebras appeared from the bush to drink at the water hole. How damn lucky can you be?!

Hinterlasse einen Kommentar