Eine Sache wollen wir uns in der Nähe von Swakopmund noch ansehen: die Mondlandschaft im Namib-Naukluft Park. Ein Stückchen Erde, auf dem man ohne Weiteres eine glaubhafte Mondladung inszenieren könnte. Es war eine Empfehlung unseres Gastgebers in Windhoek, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Um überhaupt in das geschützte Gebiet fahren zu dürfen, muss man in Swakopmund einen Passierschein kaufen. Als wir die Stadt mit unserem 2-Tages-Passierschein verlassen, fahren wir entlang einer neu gebauten Siedlung. Sie gehört zu einem der staatlichen Wohnungsbauprogrammen, die in einigen südafrikanischen Ländern Behausungen für die Armen schaffen.
Im Namib-Naukluft Park angekommen, ist niemand, der unseren Passierschein sehen will und überhaupt treffen wenig andere Menschen. Das macht den surrealen Eindruck dieser kargen Landschaft noch authentischer. Wie lassen das Auto stehen und klettern und springen von einem Plateau aufs nächste. Natürlich versuchen wir auch ein paar „mondmäßige“ Bilder zu machen und ab und zu vergessen wir tatsächlich, dass wir immer noch auf der Erde sind.
Leider geht auch der schönste Tag mal zu Ende und wir müssen uns um eine Bleibe bemühen bevor es dunkel wird. Wir fahren ein Stück des Weges zurück und in ein Tal, dass man zwischen den ganzen Hügeln aus der Ferne gar nicht gesehen hat. Im Radio läuft der neue Song von Herbert Grönemeyer. Verrückt, da ist man 10.000 km von zu Hause entfernt, aber irgendwie doch in Deutschland. Ohne viel Suchen finden wir die kleine Oase mit dem einzigen Campingplatz weit und breit. Das Restaurant ist leer und der ganze Platz scheint völlig verlassen. Erst ganz am anderen Ende des Geländes finden wir das Haus der Besitzer. Der Hausherr hat anscheinend schon ordentlich getankt und verrechnet sich ein paar Mal mit der Campingplatzgebühr. Mit ein bisschen Hilfe unsererseits finden wir aber einen gemeinsamen Preis und haben obendrein freie Platzwahl.
Die einzigen weiteren Gäste sind ein deutsches Paar aus Paderborn. Es sind langjährige Namibiaurlauber und absolute Proficamper, top ausgestattet. Zu viert werfen wir den Grill an, leeren unsere Weinvorräte und erzählen die halbe Nacht. Die beiden kennen fast jeden Stein in Namibia und überschütten uns mit wertvollen Tipps, abenteuerlichen Abkürzungen und lohnenswerten Umwegen. Am nächsten Morgen sind wir zwar ein wenig verkatert, kommen aber beim Verabschieden mit unseren Campingplatzbesitzern noch etwas ins Gespräch. Er ist Norddeutscher, seine Frau Namibiadeutsche und endlich hören wir einmal das Namibiadeutsch live. Es klingt wirklich nicht sehr anders als unser Deutsch, erstaunlich akzentfrei und gespickt mit nur wenigen altmodischen Begriffen.
Vor unserer nächsten Etappe wollen wir noch etwas die Oase erkunden, angeblich ein Eldorado für Botaniker und Geologen: ein riesiges Tal bestehend aus halb Wüste und halb Buschwerk, eingesäumt von glatt abgebrochenen Schiefersteilwänden. Es gibt Fahrrinnen, denen wir folgen können, die aber mit jedem Kilometer auf dem trockenen, harten Boden weniger sichtbar sind. Als das Dickicht immer dichter wird und armdicke Äste uns den Weg versperren, kehren wir um. Neben ein paar ordentlichen Kratzern brechen wir uns dabei auch noch die Antenne ab. Unser armes Auto musste schon einiges aushalten. Vom Platten, der verzogenen Lenkung und der abgebrochenen Antenne abgesehen, hat auch das hintere Zelt schon gelitten. Eines der Dachscharniere ist gebrochen, so das wir zum Schlafen jetzt nur noch das vordere Zelt verwenden können. So langsam machen wir uns Sorgen, welche Rechnungen da am Ende noch auf uns zukommen wird. Naja, und Radiohören hat sich auch erledigt.
Unser nächstes Ziel ist Lüderitz, ein historischer Ort, der Beginn der Geschichte von Deutsch-Südwestafrika. Knapp 800 Kilometer Wegstrecke quer durch die namibische Wüste trennen uns von dort. Stundenlang fahren wir fast kerzengerade durch die gleichmäßige Einöde des Namibia-Naukluft Parks. Jede kleine Kurve ist ein Höhepunkt und nach jeder Anhöhe erwartet man, etwas Neues zu sehen, aber es sieht immer alles gleich aus. Ich glaube, nur ein einziges Auto ist uns begegnet, aber genau kann ich es nicht sagen, denn vor Langeweile fallen mir immer wieder die Augen zu. Die komplette Strecke sind in der verbleibenden Zeit nicht zu schaffen und so stoppen wir für die Nacht in einem winzigen 92-Seelen-Dorf, Solitaire. Es dämmert schon und wir sind froh, es noch bei Tageslicht bis zu einer menschlichen Siedlung geschafft zu haben.
Es gibt eine gar nicht mal so kleine Lodge – mit Pool! Nach der trockenen und staubigen Fahrt eine herrliche Abwechslung. Und wen treffen wir hier? ALFRED! Was für eine Überraschung! Er baut noch sein Einmannzelt auf und kommt dann mit seiner Dose kalter Bohnen zu uns herüber. So viel Gepäck kann er auf dem Motorrad nicht mitnehmen und hat deswegen auf einen Kocher verzichtet. Wir leben dagegen quasi im reinen Luxus. Wir haben unseren Kocher gerade angeworfen und laden Alfred natürlich ein, zu Pasta und Wein. Es wird ein langer, sehr schöner Abend mit vielen Erzählungen. Ich frage Alfred, ob er denn so gar keine Angst hat, ganz allein mit Motorrad und Einmannzelt. Ach, meint Alfred, wenn ich ängstlich wäre, hätte ich gar nicht erst losfahren brauchen. Und falls doch mal eine brenzlige Situation kommt, ist immer noch genug Zeit zum Angst kriegen. Cooler Typ!
* Der Titel bezieht sich nicht nur auf die Mondlandschaft des Namib-Naukluft Parks sondern verweist auch auf den Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“, eine Hommage ans Reisen und das Abenteuer.
Ground Control to Major Tom*
There was one more thing close to Swakopmund that we’d like to see: the moon landscape in the Namib Naukluft Natural Reserve: a piece of land perfectly suitable to cast a trustworthy (just saying) moon landing. This was a recommendation by our host in Windhoek that we wouldn’t want to miss out. In order to be allowed to drive into the natural park you had to buy a ticket in Swakopmund. As we left the city with our 2 day permit we drove by a newly built settlement, part of of the governmental housing program for the poor.
When we arrived at the Namib Naukluft Park there was nobody to check up on our tickets but generally speaking we didn’t see many other human beings at all. This enforced the impression of that sparse and surreal landscape even more. We left the car and jumped from one plateau to the next one. Of course we tried to capture some moon-like pictures and almost forgot about the fact that we were still down on earth.
Unfortunately even the best days come to an end and we had to start looking for a place to stay before dusk. Therefore we drove a bit back and into a valley that we couldn’t see behind the moon hills before. In the radio the new song by Herbert Grönemeyer (famous German singer) was being played. It’s funny, one is a thousands miles away from home, yet somehow in Germany again. Without a big effort we found a little oasis, literally, with the only restaurant and camp site far and wide. The restaurant was deserted as was the entire site. Only at the end of the estate we finally found the owners’ house. The host was obviously quite drunk as he miscalculated the camping price a few times. With our help we agreed upon a price and even got to choose our camping lot.
The only other guests were a couple from Paderborn. These two were experienced Namibia campers, equipped with state of the art camping gear. Together we lighted up the barbecue, shared our food and wine supplies and talked far into the night. They knew every stone in Namibia and shared with us some very useful tips, adventurous shortcuts and some worthwhile indirections. The next morning we were a bit hangovered but when saying goodbye we came to talk a bit more to our hosts. The man was from North Germany and his wife was Namibia German, so finally we came to hear the Namibian German as it is spoken by a native. Surprisingly it didn’t sound so much different than our German, you couldn’t hear any accents, she just used some funny old fashioned words.
Before going to the next destination we want to explore the oasis a bit more. It was the place to be for geologists and botanists: a huge valley consisting of 50% desert and 50% bushes, surrounded by steep slate faces. First we followed the traces of previous cars but with every kilometre they faded more and more on the hard ground. When the thicket got too dense and arm thick branches blocked our way we had to go back. In addition to some deep scratches on the car we even broke our antenna. Our poor vehicle had to suffer substantially so far. Apart from the flat tire, the spoilt steering and the broken antenna, we already destroyed the tent in the back. One of the roof hinge-joint broke, so we could only sleep in the front tent. Slowly we got a little worried about the repair bill that the car rental would send us in the end, and well, listening to the radio was over, too.
The next destination would be Lüderitz, a historical place where the colonial history of Deutsch-Südwestafrika started. To get there we had to go through 800 km of Namibian desert. For hours we were just driving straight through the even solitude of the Namib Naukluft Natural Reserve. After every turn or little hill you would expect to see something new but actually everything looked totally the same. I think we just passed only one other car but I couldn’t tell exactly; because of the boredom I fell asleep every now and then. Of course we didn’t manage to drive the whole way and so we stopped for the night in Solitaire, a small village populated by 92 people. The sun was already going down and we were glad having arrived at a human settlement before dusk.
There was a lodge, not quite small and with a pool even! After this long and dusty ride this was a splendid change. And guess whom we met there? Alfred of course! What a nice surprise. He built his one-man tent and came over with his canned cold beans. He could only transport very little luggage on his motorbike and therfore he didn’t take a stove. In contrast we travelled in a luxurious manner and of course we invited Alfred over to have pasta and wine with us. It was a long and enjoyable evening with many stories told. I asked him if he was never afraid travelling all alone and sleeping in a tent only. Well, if I was afraid, I shouldn’t have gone on that trip in the first place and in case of a creepy situation there would be enough time to get scared, Alfred said. What a cool guy!
* This title not only relates to the moon landscape of the Namib Naukluft Park, but also refers to the movie „The Secret Life of Walter Mitty“, a hommage to adventures and travels.
















Wunderbar!! Wir müssen unbeding nochmal eine Fotoankuck Session veranstalten – egal wie lange es dauern mag 🙂