Gestrandet

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Alfred und fahren weiter Richtung Namib Naukluft Park. Unser Ziel sind die roten Sanddünen des Sossusvlei. In einer unserer Unterkünfte entlang der Garden Route (bei einem älteren Paar in Swellendam) hatten wir Fotos der Dünen in einem Bildband gesehen und bis Namibia nicht vergessen. Am Eingang des Parks kaufen wir erst einmal zwei Passierscheine. Natürlich möchten die Ranger gern etwas mehr Geld mit uns verdienen und bieten uns eine geführte Tour an. Es ist nicht ganz einfach, selbst durch den Park zu fahren, sagen sie. Allradantrieb ist nach dem Ende der geteerten Straße Pflicht, aber auch damit sei das Fahren in dem weichen und tückischen Sand schwierig. Was soll’s? Allradantrieb haben wir und Gelegenheiten, im Sand Erfahrungen zu sammeln hatten wir in Botswana genug.

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Festgefahren – Irgendwann musste es ja passieren

Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel geht es die ersten Kilometer über die komfortabel asphaltierte Straße. Hinter kargem, trockenem Land mit weit auseinanderstehenden blätterlosen Bäumen sind rechts und links in der Ferne die ersten Dünen zu sehen. Und schließlich kommt auch das Ende der Straße und der Anfang der Dünenlandschaft in Sicht. Wir machen noch einen kurzen Stopp um uns die Einfahrt zu den Dünen und die Sandverhältnisse anzusehen und dann geht es los. Den ersten Kilometer schaffen wir ohne Probleme, doch dann wird der Sand auf einmal weich und tief. Moppi gibt Gas, aber der Motor verliert bereits an Drehzahl. Die Kraft reicht nicht mehr um den Widerstand des weichen, tiefen Sandes zu überwinden. Mit einem Ruck kommen wir zum Stehen. Ok, kein Problem. Das ist nicht das erste Mal. Das kennen wir schon. Moppi legt den Rückwärtsgang ein und versucht vorsichtig auf unserer eigenen Spur zurück zu fahren. Die Räder drehen sofort durch. Tja, das war’s dann wohl. Zum ersten Mal seit unserem Start in Johannesburg ist Buddeln angesagt.

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Das zweite Ersatzrad unterm Auto muss weg

Es ist heiß, verdammt heiß. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir uns genau in der Mittagssonne festgefahren haben. Moppi hat bereits die Luft auf allen vier Reifen bis auf einen Minimum herunter gelassen. Schweres Gepäck haben wir ausgeladen. Das Ersatzrad, dass bei uns unter dem Auto hängt und bei den ersten Befreiungsversuchen wie ein Anker auf dem Sand aufgesetzt hat, haben wir ebenfalls schon entfernt. Zu allem Unglück ist uns dabei der Jacklift, unser großer Wagenheber, kaputt gegangen. Beim Anheben des Autos ist er tief in den weichen Sand eingesunken und der Hebemechanismus hat sich verkeilt. Keine Chance mehr, das Auto wieder herunter zu lassen. Nur durch ein scharfes Anfahren hat sich der Wagenheber dann doch gelöst, ist in einem ganz ansehnlichen Bogen weggeschnippst und unser Auto mit einem dumpfen Rums wieder auf den sandigen Boden zurück gekommen.

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Ohne Hilfe hätten wir eventuell noch sehr lange schaufeln können

Nun steht der kaputte Jacklift mit dem Gepäck und dem Ersatzrad an einem der wenigen knorrigen Bäume in der Gegend, der ein bisschen Schatten spendet. Es ist inzwischen der vierte Versuch. Das Schaufeln des feinen Sandes, der so wie man ihn weg schaufelt direkt wieder zurückrieselt, geht an die Substanz, körperlich und nervlich. Wir sind beide angespannt. Der Sand ist dermaßen heiß, dass ich mir mittlerweile durch die Sohlen meiner ausgelatschten Turnschuhe die Füße verbrannt habe. Moppis Hände sind auch schon voller Blasen. Jetzt kommt es drauf an. Dieses Mal muss es klappen. Vorsichtig fährt Moppi an. Das Auto ruckt, bewegt sich vorwärts, kommt in Fahrt, schafft ein paar Meter und dann … … … Schluss! Wieder fest!

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Die roten Dünen von Sossusvlei

Wir geben auf. Wir setzen uns zu unserem ganzen ausgeladenen und abmontierten Habnissen und trinken einen Schluck Wasser. Fünf Liter pro Person und Tag soll man an Wasser mitführen. Absurd kam uns das am Anfang vor, viel zu viel. Jetzt wissen wir es besser. In der letzten Stunde haben wir einen ganzen 5-Liter-Kanister Wasser platt gemacht. Zum Glück haben wir genug Essen und Wasser für ein paar Tage dabei. Zur Not schlagen wir einfach unser Zelt auf und warten auf Hilfe. Aber zum Glück werden wir bald erlöst: eines der Safarimobile, für das man uns am Anfang eine Mitfahrt verkaufen wollte, kommt vorbei. Es ist leer und der erfahrene Fahrer bietet uns seine Hilfe an. Der Rest geht ganz zügig. Per Seil angehakt, beide Autos einmal richtig Gas gegeben und das große und wesentlich kräftiger motorisierte Safarimobil zieht uns fast mühelos aus dem Bereich mit dem Tiefsand. Wir räumen Gepäck, Möbel, Ersatzrad (auf die Rückbank) und Jacklift wieder ein und erschöpft aber sehr erleichtert fahren wir die restliche Strecke zu den roten Sanddünen. Dass wir den Motor dabei im kleinsten Gang mit einer hohen Drehzahl quälen müssen, tut zwar ein bisschen weh, ist aber der einzige Weg in dem weichen Sand das Momentum nicht zu verlieren. Diese Lektion haben wir gelernt.

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Unsere letzte Aktion nach einem anstrengenden Tag

Lange verweilen wir nicht in der roten Dünenlandschaft. Nach dem Desaster machen wir einen etwas längeren Halt auf dem nächsten, festeren Abschnitt der Strecke, verspeisen ein paar Schnittchen und erholen uns von der körperlichen Anstrengung. Vom Sand haben wir auch erstmal genug, so dass wir auf keine Dünen hinaufklettern sondern sie respektvoll aus der Ferne bestaunen. Wenn der Wind über sie hinweg fegt und den Sand vom Fuß der Düne zum Kamm trägt, sieht es aus als würden kleine Wellen die Düne hinauf wandern und das Pfeifen klingt, als ob der Wind ein Lied singt. Es ist schön und beeindruckend und die rote Farbe verleiht dem Schauspiel eine extra skurrile Note. Inzwischen haben wir viel Zeit verloren. Bis nach Lüderitz schaffen wir es heute auf gar keinen Fall mehr. Die breiten, leeren Schotterstraßen ziehen sich in die Länge. Auf beiden Seiten der Straße sieht man nichts als Geröllwüste und hin und wieder einmal ein paar karge, kleine Bäume. Langsam setzt die Dämmerung ein und es zieht ein kräftiges Gewitter auf. Aber wir haben doppelt Glück: kurz bevor es dunkel wird, hört der Regen wieder auf und wir finden einen kleinen Campingplatz in dem fast noch kleineren Dörfchen Betta. Moppi und ich bauen das Ersatzrad wieder unter den Wagen, grillen uns ein schnelles Abendessen und fallen keine Stunde später totmüde ins Zelt. Was für ein Tag!

Stranded

The next morning we said goodbye to Alfred and drove on towards the Namib Naukluft Natural Reserve to see the red dunes of Sossusvlei. At one of the home stays at an old couples’ along our Garden Route trip we found photos of these dunes when flipping through a coffee-table book and did not get them out of our minds until we came to Namibia. At the entrance we bought our tickets, but the rangers tried to earn some more money by insisting in a guided tour. It is not easy to drive alone, they said. Four-wheel drive is a must have but still driving through the deep sand is a tricky issue. So what, we thought; we had a four wheel drive vehicle and Moppi had enough of sand driving practice in Botswana.

The sun was shining, the skies were blue and on we went the first kilometers the comfortable tar road. Behind the vast and sparse area with its few and meagre vegetation you could see the first dunes far away. Finally we reached the end of the tar road and the beginning of the sandy off road route. We stopped quickly to check the sand consistency and off we went. The first kilometres went very well but then the sand became too soft and deep. Moppi accelerated but the engine speed already plummeted. There was not enough power to overcome the deep sand: we stopped with a jar. OK, no problem, this was not the first time. Moppi carefully tried to go backwards on our own lane, but the wheels were just spinning. For the first time since Johannesburg it was time to dig.

It was so damn hot. It was exactly noon when we got stuck. Moppi already deflated the wheels to a minimum and we unloaded the heavy pieces of luggage. We even took off the spare wheel that hung beneath our car and worked as an anchor. Unfortunately, doing so we destroyed the jacklift. The lifting mechanism broke and we could not get the vehicle down. By brute force, i.e. accelerating, we could make it jump off.


Then we ad the jacklift, the luggage and the spare wheel sitting under one of the dry trees offering a minimum of shade. By then it was our fourth trial. Digging this fine sand that instantly trickled back in place after removing it, was nerve wrecking, both for the body and the mind. We were both stressed out. The sand was so damn hot that I burnt the soles of my feet through my old worn out sneakers. Moppi’s hands were full of blisters, but this time it looked good. Carefully Moppi accelerated again, the vehicle moved a little, went on a few metres and … stopped. Again we were stuck!

We gave up. We sat down next to our belongings and drank some water. Five litres per person per day are suggested to be taken to the desert. We thought this was ridiculously much. Now we knew better, within half an hour we finished a five liter barrel of water. Luckily we had enough water and supplies to survive a few days. As a last resort we could set up our tent and wait for help. Luckily we did not have to wait too long. After a while one of the safari guides who tried to sell us a trip came by. His vehicle was empty and the driver offered us to help. He hooked us up with the tow rope and with his high powered engine he easily pulled us out of the deep sand area. We put back the luggage, furniture, jacklift and spare wheel and relieved went on to the red dunes. The trick how not to lose momentum in the soft sands was to torture the motor with the lowest gear and a high number of rotation. This lesson is learnt!

At the red dunes we did not stay so long. After this disaster we had an extensive break at a safe spot, ate some sandwiches and relaxed. Actually we were a bit tired of sand anyway. Therefore we did not climb any dune but just watched them with decent respect. When the wind was carrying the sand from floor to top of the dunes it looked like little waves and and the whistling sound seemed like the wind was singing a song. What a beautiful phenomenon! The red colours made it extra spectacular.

By then we lost so much time we would not make it to Lüderitz that very day. The long and empty gravel roads were long and winding. At both sides of the road there was nothing to see but some rocks and small dry trees every now and then. It was already getting dark when a heavy thunderstorm started getting down on us. But finally we were lucky twice: right before dawn the rain stopped and we found a little camp site in an even smaller village called Betta. Moppi and I fixed the spare wheel under the car, grilled a quick dinner and fell to sleep instantly. What a day!

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