Nachdem wir uns das alte Diamantendorf, die Kolmannskuppe, angesehen haben, fahren wir noch einmal zurück nach Lüderitz zu Udos Werkstatt. Die völlig verstellte Lenkung geht gar nicht. Dann soll Udo lieber den Ursprungszustand wieder herstellen. Mit unserem wie gewohnt nach rechts ziehenden Wagen verabschieden wir uns am späten Nachmittag von der namibischen Küste und machen uns auf den Weg ins Landesinnere. Dieses Mal soll es eigentlich nur einen kurzen Übernachtungsstopp geben. Ein bisschen länger wird der Halt dann aber doch, als wir auf dem Campingplatz des kleinen Örtchens Aus von der Legende der Geisterschlucht erfahren. Die Gerüchte besagen, dass zwei Diebe vor achtzig Jahren mit einer Ladung Diamanten vom Sperrgebiet bei der Kolmannskuppe geflohen sind. Die Gendarmerie war ihnen dicht auf den Fersen. In einer Schlucht bei Aus kam es zum finalen Feuergefecht, in dem beide Gauner ihr Leben verloren. Die gestohlenen Diamanten wurden nie gefunden. Seitdem streifen die Geister der beiden in klaren Mondscheinnächten auf der Suche nach ihrer Beute durch die Schlucht. Zeuge des Ereignisses ist heute nur noch der rostige, alte Hudson mit den Einschusslöchern im Heck.

Der 1934 Hudson war mittendrin im Diamantenfieber
Der kleine Umweg macht fast gar nichts, denn auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel freut sich Moppi schon lange auf die Abkürzung, die uns das deutsche Pärchen in Goanikontes vor ein paar Tagen empfohlen hat. Einfach zu finden ist das ausgetrocknete Flussbett nicht und schon gar nicht eine Stelle, an der man einigermaßen gut hineinfahren kann ohne den Wagen noch mehr zu demolieren. Erstmal drin läuft der Rest wie von selbst. So kommen wir am frühen Abend noch rechtzeitig an unserem letzten Stopp in Namibia an. Der Fish River Canyon ist nach dem Grand Canyon der zweitgrößte der Welt. Er ist 160 Kilometer lang und teilweise über 500 Meter tief. Auf der Hinfahrt kann man die Größe kaum erahnen. Vom Auto aus sieht man nur einen schmalen dunklen Streifen, der sich einige Dutzend Meter neben der Straße herschlängelt. Imposant wird der Ausblick erst, als wir die letzten paar Meter zur Kante zu Fuß zurück legen. Zu gern hätten wir eine der mehrtägigen Wanderungen durchs Flussbett mitgemacht. Aber dafür haben wir leider keine Zeit und außerdem werden diese nur in den Wintermonaten angeboten.

Moppi hat esoterische Höhenflüge
Unsere dreiwöchige Namibiarundreise neigt sich dem Ende zu. Einerseits ist das etwas schade, aber andererseits freuen wir uns auch schon auf den nächsten Kontinent. Angedacht war eigentlich ein Weiterflug ab Windhoek, aber da die Rückführung unseres Geländewagens zur Mietstation in Johannesburg ca. 1000 Euro kosten würde, haben wir beschlossen, ihn selbst zurückzubringen. Da der Flug ohnehin von Windhoek über Johannesburg geht, werden wir einfach später „zusteigen“. Ein letztes Mal durchqueren wir Namibia von West nach Ost um den Grenzübergang Ariamsvlei nach Südafrika zu passieren. An der letzten Tankstelle vor der Grenze tanken wir noch einmal voll und kaufen Snacks. Dieses Mal haben wir uns mit den Finanzen etwas verschätzt, so dass wir trotzdem noch viele Namibia Dollar übrig haben. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja wieder.

Unsere letzten Kilometer durch Namibia
Zurück auf südafrikanischer Seite verschlägt es uns zunächst nach Upington, einer modernen Kleinstadt, in der wir unsere Erledigungen mehr oder weniger erfolgreich abarbeiten können. Moppi macht sich zunehmend Sorgen über die Fahrzeugrückgabe: abgebrochene Antenne, Halterung des Jacklifts kaputt, gebrochene Winkel beim hinteren Dachzelt und das Schlimmste von allem, eine verzogene Lenkung. Der Preis für eine neue Antenne im Nissan-Autohaus in Upington ist exorbitant, hier verzichten wir. Die Wagenheberhalterung kleben wir erfolgreich selbst mit Sekundenkleber, die kaputten Zeltwinkel hat der Outdoor-Ausrüster der Stadt im Angebot, aber nicht vorrätig und die verzogene Lenkung können die Experten in der Profiwerkstatt zwar nicht vollständig korrigieren, aber es ist definitiv besser als vorher. Nach einem arbeitsreichen Tag checken wir am Abend an einem unscheinbaren Campingplatz irgendwo im Niemandsland entlang der Landstraße ein. Es ist eine nette Großfamilie, die diesen Platz betreibt. Außer uns ist kaum jemand da. Das heißt aber nicht, dass man nicht morgens Besuch bekommen kann. Als ich meinen Kopf zum Zelt herausstrecke, schaut mir einer der beiden Hausstrauße direkt in die Augen.

Wir frühstücken direkt unter einem Webervogelnest
Einen letzten kleinen, privaten Nationalpark auf dem Weg gönnen wir uns noch, den Krugersdorp Park. Während das Haupthaus des Parks am Eingang steht, liegt der Campingplatz sehr abgelegen in der Mitte. Von dort gibt es einen Rundweg von ein paar Kilometern, den wir ganz alleine gemütlich in der Abendsonne abfahren und ein letztes Mal die heute ziemlich entspannte Artenvielfalt Afrikas genießen. Die Nacht über ist es damit allerdings vorbei. Wind kommt auf und wenige Minuten später ist der Donner, der gerade noch in der Ferne zu hören war, direkt über uns. Der Wind peitscht unser Dachzelt hin und her und der Regen dringt fast mühelos durch die winzigen Poren der Zeltwände. Es blitzt und kracht, dass einem ganz anders wird. Ich bekomme Angst und Moppi sieht auch nicht mehr aus, als ob er das genießen würde. Wir ziehen ins Auto um, sitzen in unsere Schlafsäcke gewickelt in unserem Faradayschen Käfig und warten auf das Ende des Unwetters. An Schlaf ist nicht zu denken und so bekommen wir live mit, wie wenige Meter neben uns ein Blitz volle Granate in einen Baum einschlägt. Krass! Wir starren weiter wie gebannt ins Dunkel, bis ein neuer Blitz die Szenerie taghell erleuchtet und vor dem Auto steht: eine Giraffe, kauend, fast gelangweilt und schaut uns an.

Ein bisschen wie Jurassic Park, die Einfahrt ins Löwengehege
Am nächsten Morgen machen wir noch eine kleine Runde durch den separat umzäunten Bereich der Löwen und dann geht es auf die letzten Kilometer Richtung Johannesburg. Unsere Abschiedsnacht verbringen wir auf einem recht vornehmen Campingplatz vor der Stadt. Dort nehmen wir unser ganzes Equipment einmal auseinander, putzen alles, sortieren aus (ab morgen werden wir wieder nur mit Rucksack und ohne Gefährt unterwegs sein) und kommen dabei ganz schnell mit einem älteren Paar aus der Schweiz ins Gespräch. Sie erzählen, dass sie bereits seit über 30 Jahren immer wieder in eigenen Campingmobilen auf der Welt unterwegs sind. Inzwischen sind sie Rentner und touren hauptsächlich durch Afrika, mit gelegentlichen Besuchen der Kinder und Enkel zuhause. Sie reisen auch nicht mehr so schnell wie früher, sind jetzt eher häuslich geworden. Ihr Gespann aus Geländewagen und Wohnanhänger ist bestens ausgestattet. In kleinen Putzpausen schnacken wir ein bisschen über das Leben, dass man seine Lebenszeit gut nutzen muss und natürlich erzählen die beiden gern von ihren Abenteuern.

Guck nicht so! Wir kommen wieder, ganz bestimmt.
Unser Zeitplan geht gut auf. Am nächsten Tag kommen wir pünktlich in Johannesburg an, tanken unser inzwischen liebgewonnenes Gefährt ein letztes Mal voll und bringen es zurück zum Vermieter. Der nimmt das gesamte Zubehör in Augenschein und zählt alles durch. Das kaputte Zeltscharnier und die abgebrochene Antenne werden auch begutachtet, aber für nicht weiter dramatisch befunden. Unser selbst geflickter Wagenheberhalter fällt gar nicht auf und auch die Lenkung wird nicht beanstandet. Alles was wir zahlen müssen ist eine kleine Bearbeitungsgebühr für die Aufnahme der Schäden. Ein Mitarbeiter fährt uns noch zum Tambo Airport Johannesburg und wünscht uns eine gute Reise. Danke, die werden wir haben und danke Afrika für die aufregenden letzten Monate! Wir kommen wieder, ganz bestimmt.
Goodbye Africa!
After having visited the old diamond camp Kolmannskoop we went back to Lüderitz to Udo’s garage. Our steering mechanism was even worse than before, so Udo should at least recreate the bad situation in the beginning. With our car steering to the right like we used to we left the Namibian coast that late afternoon and made our way to the inner country. This stop was supposed to be a quick sleepover only. In the end we stayed a bit longer nonetheless as we heard at the campsite close to the village Aus about the legend of the ghost valley. Rumor has it that two thieves loaded with stolen diamonds were fleeing the closed area with some 80 years ago. The gendarmerie was chasing them. In the valley close to Aus there was a final fire fight and both thieves were shot dead. The stolen diamonds never appeared again. It is said that at night their souls are haunting the valley, still looking for their stolen goods. Nowadays the only witness is the old Hudson car with its perforated gear.
This little detour did not matter much as Moppi took a shortcut close to Goanikontes, a recommendation by the German couple we met some days ago. The dry river bed was not so easy to find plus driving into the bed without demolishing the car even more. As soon as we were in the river everything went smoothly. Therefor we arrived our last stop in Namibia in the evening. The Fish River Canyon is the second biggest canyon on earth, after Grand Canyon. It is 160 km long and more than 500 meters deep. Driving there we could already sense its size. From the road you could see this narrow dark strip curling some dozens or so meters parallel the road. But when we walked the last meters to the canyon edge it was just WOW! We would have loved to go on a trekking tour in the river bed for a few days but we didn’t have much time plus these trips are only offered during winter times.
Then our three weks trip in Namibia was coming to an end. On the one had it was a pity but on the other hand we were curious to see the next continent. It was planned to fly out from Windhoek but returning our vehicle to Johannesburg would cost as around 1000 euros, that’s why we decided to drive it back ourselves. Since our flight would have a stopover in Johannesburg, we will hop on later. For the last time we crossed Namibia from west to east to reach the border post Ariamsvlei to enter South Africa. At the last gas station in Namibia we filled up our tank and bought some snacks but we still had left way too many Namibia Dollars. But who knows, we might come back!
Back in South Africa we stopped first in Upington, a modern small town where we could go about our settlements more or less successfully. Moppi got more and more concerned about the return of our damaged vehicle; broken antenna, jacklift mount broken, broken angle bracket at one of the tents, and worst of all the screwed up steering. The price for the new antenna in a Nissan garage in Upington was exorbitant, so we forwent. We repaired the jacklift mount with instant glue, check. The angle brackets were not in stock at the outdoor store and we didn’t have enough time to wait for delivery. Finally we found a professional garage that repaired the steering, it was not perfect yet, but way better than before. After a busy day we checked in an unimposing campsite at the road. A nice big family was running the site. There were hardly any guests apart from us, but that didn’t mean you cannot have any visitors in the morning. When I put my head out of the tent one of their ostriches was staring right into my eyes.
On the way we treated ourselves with a last stop in a national park, the small, private Krugersdorp Park. The main building was situated at the edge of the park and the camp site was remotely in the middle of the park. Starting there you could follow some loop roads and we relaxed and enjoyed Africa’s species one last time at sunset. Our relaxation ended abruptly at night. A storm came up and right after the thunder from far away was quickly right above us. The wind was tearing our tent almost apart and the rain poured in through every pore. The lightnings and crashing sound scared the s**t out of us. Therefore we moved downstairs into the car. Wrapped in our wet sleeping bags we awaited the things to come in our Faraday cage. Sleep was unthinkable and so we saw live how a lightning stroke into the tree next to our car. What a sound! Again we were staring in the dark until another lightning illuminated the scenery and in front of our car was: a giraffe, looking bored, chewing and just looking at us.
The next morning we took another tour into the gated part of the park to see the lions and afterwards we went off to Jo’Burg. Our farewell night we spent at a quite fancy camp site outside the city. There we sorted and cleaned all our equipment, threw useless stuff away (as from the next day we would be with our backpacks only, without a vehicle) and started chatting with the neighbours. It was a Swiss couple travelling the world since 30 years in a camping van. Now as pensioners they were touring mainly Africa in a remote speed and became a little domestic. Every now and then they would visit their grandchildren back home. Their camper and rover vehicle looked pretty comfy and sophisticated. During our cleaning breaks we were chitchatting about travelling in particular and life in general and how you should seize your lifetime.
Our time schedule worked out very well. The next morning we arrived on time in Jo’Burg, filled the tank of our already beloved vehicle one last time and returned it to the rental service. The clerk checked the whole equipment thoroughly. The broken antenna and tent angle bracket were being examined, but estimated not to be too dramatic. Our self fixed jacklift did not raise attention and the stearing mechanism was not objected at all. All we had to pay was some small service charge for checking the damages. Another clerk gave us a lift to Tambo International Airport and wished us a good trip. Thanks, we will have a great one! And thanks to Africa for the last amazing and adventurous months. We will come back for sure.









