In der Hängematte auf dem Rio Tapajós

Drei brasilianische Großstädte haben wir besucht, es wird wieder Zeit für ein wenig mehr Ruhe und Natur. Mit einer kleinen Inlandsmaschine fliegen wir nach Santarém, einer Hafenstadt im Landesinneren direkt am Amazonas. Wir haben das Ziel nicht zufällig ausgewählt, Santarém liegt an einer Flusskreuzung. Hier mündet der Rio Tapajós in den Amazonas und genau den brauchen wird, den Rio Tapajós!

Santarém: Nicht so schick wie Rio, aber dafür sicher

Der Flughafen Santarém besteht nur aus einer einzigen kleinen Halle mit zwei Etagen, kaum größer als ein Wohnhaus. Abfertigung sowie Gepäckannahme und -ausgabe finden im Erdgeschoss statt, im ersten Stock ist ein kleines Bistro. Mit einem alten Linienbus fahren wir vom Flughafen in die Stadt. Santarém hat über 200.000 Einwohner, auch wenn man ihr das auf den ersten Blick nicht ansieht. Die Innenstadt, die Hafenpromenade und die Leute machen einen angenehm unaufgeregten Eindruck. Moppi und ich fühlen uns hier viel sicherer als in Rio oder Salvador. In einem kleinen Hotel in Hafennähe mieten wir uns ein. Zwei Tage Zeit haben wir uns genommen, um unsere Schiffsreise auf dem Rio Tapajós zu organisieren.

Das ist sie, unsere Anna Karoline

Am ersten Tag schlendern wir am Hafen entlang und versuchen, Tickets für die Fahrt auf dem Rio Tapajós zu buchen. Einfach ist das allerdings nicht. Der Pier erstreckt sich über mehr als einen Kilometer und mehr als 100 Boote ankern hier. Sie fahren in alle möglichen Richtungen und auf fast allen Nebenflüssen des Amazonas. Es ist weder etwas ausgeschildert, noch gibt es ein zentrales Informationsbüro. Erst nachdem wir ein paar Besatzungen verschiedener Boote befragt haben, kann uns jemand helfen. Unser Boot liegt fast am Ende des langen Piers. Es ist die Anna Karoline und sie legt morgen ab. Perfekt! Es gibt sogar ein paar ganz einfache Privatkabinen, aber das ist in unserem Budget nicht vorgesehen. Stattdessen buchen wir direkt an Bord die günstigste Preisklasse, zwei Mal eine Fahrt in eigener Hängematte auf dem Oberdeck. Für die meisten Brasilianer aus der Gegend scheint das die Standardform des Reisens zu sein. Sie sind auch entsprechend ausgestattet, wir noch nicht. In einer Hinterhofwerkstatt mit Gemischtwarenladen kaufen wir uns zwei Hängematten und etwas Proviant und am nächsten Nachmittag geht es los.

Das ist wesentlich bequemer, als man denkt

Die Fahrt dauert 16 Stunden. An Bord gibt es zwei Toiletten und ein Außenwaschbecken, sogar eine Dusche, alles mit Flusswasser betrieben und sehr einfach, aber ausreichend. Unsere Hängematten hat Moppi an den vorgesehenen Haken auf dem Oberdeck angebracht. Zum Glück ist das Schiff nicht sehr voll. Im Internet hatten wir Bilder gesehen, auf denen Leute in zwei bis drei Reihen dicht an dicht hängen, aber hier haben wir doch genug Privatsphäre und nicht gleich die Knie oder Ellbogen unserer Nachbarn im Gesicht. In unseren großen Hängematten kann man erstaunlich gut schlafen, lesen oder den vorbeiziehenden Dörfern zusehen. Der Trick ist, sich nicht längs in die Hängematte zu legen, sondern quer. In der Mitte des Flusses sind wir auch soweit vom Ufer weg, dass uns nicht einmal die Mücken piesacken können. Es kann also ganz entspannt nach Fordlândia gehen, der vergessenen Stadt im Regenwald. 

Der Rio Tapajós ist an manchen Stellen mehrere Kilometer breit

Als wir an einem alten hölzernen Steg anlegen, ist es drei Uhr morgens. Bis auf ein paar einsame Lampen am Pier ist es stockdunkel. Niemand außer uns geht von Bord. Allein stehen wir mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken und den Hängematten unter dem Arm an dem völlig verlassenen Pier. Wir schauen noch zu, wie unser Schiff langsam im Dunkel der Nacht verschwindet und dann machen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. An dem kleinen Haus am Pier gibt es Haken, an denen wir unsere Hängematten aufhängen können, aber das einzige Licht weit und breit lockt Unmengen an nachtaktivem Getier an und so beschließen wir, uns nach einem anderen Platz umzusehen. Ein Stück das Ufer hinauf können wir den spärlich beleuchteten Kirchturm sehen. Davor ist ein kleiner Spielplatz, auf dem wir es uns auf einer Steinbank so bequem wie möglich machen. Ich versuche zuerst ein bisschen zu schlafen, während Moppi wach bleibt und auf mich und unsere Sachen aufpasst. Nach kurzem und wenig erholsamen Schlaf auf der kalten, harten Steinbank wechseln wir. Ab und zu fährt ein knatterndes Moped durch die Dunkelheit, aber keiner bemerkt uns.

Das wiederum war nicht sehr bequem

Es soll mindestens eine Pension in Fordlândia geben. Als gegen sechs die Sonne aufgeht, packen wir unsere Sachen und ziehen los. Wir stellen schnell fest, dass es sogar zwei gibt. Bei der sympathischeren klopfen wir an. Ein freundlicher kleiner Mann macht uns auf und wir sind froh, dass schon jemand auf den Beinen ist. Er stellt sich als Raimondo vor und ja, er hat auch ein Zimmer für uns. Herrlich! Wir dürfen unseren Raum mit angeschlossenem Bad direkt beziehen und in der Zeit, in der wir duschen, macht uns Raimondo ein leckeres Frühstück. Danach fallen wir erschöpft ins Bett und holen erst einmal etwas Schlaf nach.

Unserer Übernachtungsempfehlung für Fordlândia? Ganz klar bei Raimondo.

 

 

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