Langsam neigt sich unsere Zeit in Fordlândia dem Ende zu. Für den Rückweg nach Santarém nehmen wir dieses Mal das Schnellboot und bereits vier Stunden später legen wir in dem uns vertrauten Hafen wieder an. Wir wollen uns nicht lange hier aufhalten. Nach der kleinen Bildungsreise in die Vergangenheit steht uns der Sinn wieder nach etwas Erholung. Leider sind wir viele hundert Kilometer vom Meer entfernt, aber im breiten Amazonas gibt es eine Insel Namens Alter do Chão. Als wir die Insel googeln, finden wir Bilder von einem herrlichen Sandstrand mit Strohhütten, kleinen Cafés und Bars. Nach einer Nacht im altbekannten Hotel in Santarém machen wir uns mit dem Linienbus auf den dreistündigen Weg. Zuvor haben wir uns im Internet eine Pousada ausgesucht und für ein paar Tage ein kleines, einfaches Zimmer gemietet. Unser Plan ist, möglichst wenig im Zimmer und möglichst viel am Strand zu sein.

In ein paar Monaten gibt’s hier Strand, Musik, Getränke und viel weniger Wasser
Bei unserer Ankunft erleben wir eine böse Überraschung. Alter do Chão ist da, unsere Pousada auch, aber der Strand nicht! Mensch, jetzt sind wir schon so lange unterwegs und trotzdem passiert uns immer noch so etwas. Es ist Regenzeit. Die Insel im Amazons ist schon da, sie liegt aber teilweise bis zu zwei Meter unter Wasser. Nur die Wipfel der Bäume und die Dächer der Hütten schauen hier und da heraus. Das ist schade und ein bisschen enttäuschend, aber letztendlich auch kein allzu großes Problem. Die täglichen Regengüsse sitzen wir gemütlich in der Unterkunft aus, liegen in der Hängematte unter dem Dach und lesen oder schreiben am Blog. Ab und zu serviert uns unsere sehr aufmerksame Gastgeberin einen frischen Fruchtsaft oder ein hausgemachtes Dessert, sofern die Familie etwas übriggelassen hat. Manche der Obstsorten, die sie verwendet, kennen Moppi und ich noch gar nicht, die süße und sehr interessant schmeckende Acai zum Beispiel.

Es ist ein bisschen gruselig, ganz allein durch die überschwemmten Wälder zu paddeln
Das Aktivste, was wir in Alter do Chão unternehmen, ist in einer Regenpause ein Kajak zu mieten und damit einen der schmalen Seitenarme des Amazonas, mitten durch den unter Wasser stehenden Regenwald zu paddeln. Als krönenden Abschluss drehen wir dann auf dem Rückweg auch noch eine Runde über die versunkene Insel entlang der Strohdächer und gehen an einer flachen Stelle zumindest einmal im Amazonas baden. Nach vier entspannten und erholsamen Tagen geht es danach mit dem überfüllten Linienbus wieder retour nach Santarém.

Banana Joe hat im Hafen von Santarém seine Ladung gelöscht
Auch bei unserem dritten Aufenthalt in Santarém buchen wir uns wieder in unserem Stammhotel ein. Dieses Mal allerdings mit ein paar Komplikationen. Als wir beim Hotel ankommen, sagt man uns an der Rezeption, dass kein Zimmer mehr frei ist. Moppi verweist auf unserer Buchung, aber anscheinend ist trotzdem nichts zu machen. Kein Mensch spricht Englisch. Ich muss also mit meinem Spanisch und dem aufgeschnappten Portugiesisch versuchen, diesen ganzen Schlamassel hier zu klären. Da Moppi der Meinung ist, dass er mangels fehlender Sprachkenntnisse hier sowieso nicht helfen kann, setzt er sich ins Foyer und lässt mich machen, was ich nicht in Ordnung finde und was später in einen handfesten Streit mündet. Bezüglich des Zimmers bietet man uns nach einigem Hin- und Her einen fensterlosen, bis zur Decke weiß gekachelten Raum im Keller an. Das kommt mal gar nicht in Frage. So leicht lasse ich mich nicht abspeisen. Irgendwann kommt die Besitzerin des Hotels hinzu und teilt uns mit, dass in unserem ursprünglich geplanten Zimmer ein Bett kaputt sei, sie aber jetzt das Bett aus dem Keller hinauftragen würden und wir schließlich doch noch ein ganz normales Zimmer beziehen dürfen.

Moppi geht es gar nicht gut
Wir wollen gar nicht lange in Santarém verweilen. Die nächste Station unserer Reise steht schon fest. Es ist Manaus, die größte Metropole am Amazonas, eine Zweitagesreise flussaufwärts. Dieses Mal kommt uns Moppis Verdauungssystem in die Quere – Verstopfung, aber ganz schlimm. Zum Glück ist unsere Reiseapotheke gut bestückt. Moppi nimmt ein paar Kapseln mit Rhizinusöl und während er sich mit Bauchkrämpfen im Bett wälzt, mache ich mich auf dem Weg zum Hafen um auszukundschaften, wo wir die Bootstickets nach Manaus kaufen können und was sie in etwa kosten. Nach meinem Ausflug geht es Moppi schon viel besser. Als die Kapseln nach ein paar Stunden noch keine Wirkung zeigten, hat er die ganzen restlichen Kapseln genommen. Auf den Rest möchte ich hier nicht eingehen. Auf alle Fälle steht unserer Abreise jetzt nichts mehr im Wege.

Frachtdeck, klimatisiertes Passagierdeck und oben, ohne Fenster und Klima, wir
Mit unserem ganzen Gepäck und reichlich Proviant suchen wir am nächsten Tag den Steg, der ganz am hintersten Ende des Hafens liegt. Mit der Erfahrung der letzten Monate sind die Tickets schnell gekauft und der Tickethändler um die Hälfte auf einen realistischen Preis heruntergehandelt. Wir suchen uns zwei Plätze für unsere Hängematten auf dem Oberdeck. Ringsum hängen die anderen Passagiere bereits ihr Hängematten auf und während wir uns noch gar keinen so großen Stress machen, stellen wir beim Beobachten fest, dass es hier gar keine Haken gibt. Stattdessen haben die Einheimischen kurze Seile dabei, mit denen sie die Schlaufen der Hängematten an Rohren an der Decke befestigen. Und nun? Ein bisschen Zeit bis zum Ablegen ist noch, also steckt mir Moppi ein paar Scheine zu, damit ich an einer der Buden am Steg Seilstücke oder irgendetwas zum Befestigen besorgen kann. Gerade als ich von Bord gehen will, hält mich einer aus der Bootsbesatzung auf und fragt, wohin ich will. „Seile kaufen“ sage ich. Also zumindest glaube ich das zu sagen. Leider habe ich die Vokabeln verwechselt. Denn „ropas“ heißt nicht Seile, sondern „Klamotten“. Verständnislos schüttelt er den Kopf und denkt sich wahrscheinlich seinen Teil gedacht, wenn eine Frau kurz vor dem Ablegen noch Klamotten shoppen will. Jedenfalls lässt er mich nicht von Bord und nur ein paar Sekunden später legen wir ab, eine halbe Stunde eher als geplant.

Am Ende sind doch alle an Bord und sogar in stabil aufgehängten Hängematten
Von dem Vorfall bekommt Moppi auf dem Oberdeck natürlich nichts mit. Er stellt nur erschrocken fest, wie das Schiff sich auf einmal bewegt und ich vermutlich gerade an Land nach Seilen suche. Er rast die Treppe zum Führerstand des Schiffs herunter und erklärt dem Kapitän mit wild gestikulierenden Armen und Beinen und null Sprachkenntnissen, dass seine Senhorita an Land vergessen wurde und man unbedingt und sofort anhalten müsse. Ich höre ihn von unten aufgeregt auf den Kapitän und die Crew der Brücke einreden und als ich hoch rufe, dass ich an Bord bin, fällt ihm, glaube ich, ein riesiger Stein vom Herzen. Für die Befestigung der Hängematten nimmt Moppi letztendlich seinen Gürtel und zwei Kabelbinder, die wir noch aus Südafrika vom Zelten im Gepäck haben.









