Viel Glück in der Wildnis

Grenzübergänge haben mich bisher nicht sonderlich gestresst und ich war eigentlich immer die Ruhe selbst, auch bei finster drein blickenden russischen Grenzern mit ihren Kampfhunden (Moppi war da reichlich nervös). Die Grenzüberquerung nach Botsuana ist anders. Den Anfang macht ein Beamter, der versucht uns bei der Gebühr fürs Auto über den Tisch zu ziehen. Wir bleiben hartnäckig, aber unangenehm ist uns doch dabei. Als wir dann mit allen Papieren die Grenze überqueren wollen, schaut der letzte Beamte missmutig in unsere Pässe, sieht, dass wir aus der EU kommen und verlangt prompt 100 Euro. Moppi fragt ganz nüchtern, wofür denn. Da fängt er an zu lachen, sagt, es sei nur ein Witz gewesen und lässt uns passieren. So witzig fanden wir das allerdings nicht. Wir sind uns sicher, dass es eher ein Versuch war, ein bisschen was nebenbei zu verdienen.

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Fleischkontrolle an der Veterinärstation

Unser erster Eindruck von Botsuana ist gar nicht so verschieden von Südafrika. Es gibt die gleichen Supermarkt- und Imbissketten, und die Straßen scheinen genauso gut zu sein. Nur Weiße sieht man gar nicht mehr. Das erste was dann völlig neu für uns ist, sind die Veterinärstationen. Botsuana bestreitet einen Großteil seiner Einnahmen durch Rindfleischexporte. Vor einigen Jahren gab es eine landesweite Epidemie von Maul- und Klauenseuche. Seitdem wird der Transport von Fleisch durchs Land streng kontrolliert. Theoretisch. Alle ca. 100 Kilometer gibt es eine Veterinärstation an der man anhalten muss, gefragt wird, ob man Fleisch transportiert und ggf. seine Ladung inspizieren lassen muss. In der Praxis sind die Posten allerdings oft nicht besetzt, der Beamte schaut nicht mal auf, oder man wird direkt durch gewunken. Nur ein einziges Mal werden wir tatsächlich kontrolliert. Moppi erklärt gut gelaunt, dass wir kein Fleisch dabei haben, während ich etwas nervös werde. Erst bei der Weiterfahrt erinnere ich ihn an unsere aus Südafrika importierten Steaks in der Kühlbox.

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Ein bunter Abschied aus dem Nata Vogelschutzgebiet

Wir fahren soweit wir kommen und campieren am Abend in der Nata Lodge im Osten des Landes. Direkt um die Ecke ist das Nata Vogelschutzgebiet, unser erster Stopp am nächsten Morgen. Gnus sind die größten Tiere, die wir hier sehen. Ansonsten gibt es unzählige Vogelarten unter denen Flamingos und Pelikane die prominentesten Vertreter sind. Die flache Salzpfanne gewährt einen wahnsinnig weiten Blick und das Beobachten der ersten Tiere in freier Wildbahn ist super. Auch unterwegs auf den Straßen außerhalb der Parks stehen regelmäßig Warnschilder für Warzenschweine, Giraffen und Elefanten. So richtig können wir uns jedoch nicht vorstellen, Wildtiere an oder auf der Straße zu treffen. Als dann irgendwann doch ein Elefant an der Straße steht, sind wir total begeistert, halten an und machen natürlich Fotos. Wer weiß schon, ob da nochmal einer kommt.

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Familie Flusspferd kommt gerade vom Sonnenbaden zurück

Unser Weg führt uns von Nata weiter nach Norden zum bekanntesten Nationalpark in Botsuana, dem Chobe Nationalpark. Gern würden wir im Park zelten, es gibt aber nur eine Handvoll überteuerter Camps und so verwerfen wir die Idee schnell wieder. Ein paar Tage später wird sich diese Entscheidung als keine unserer schlechtesten erweisen. Unweit des Parkeingangs gibt es einen netten Campingplatz direkt am Chobe River, in dem wir uns stattdessen einquartieren. Auch hier gibt es Warnschilder vor Krokodilen und Flusspferden. Von den Krokodilen hören und sehen wir nichts, aber die Flusspferde unterhalten uns die Nacht über mit ihrem Getrampel und Gegrunze.

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Die Giraffen sind mindestens genauso neugierig wie wir

Vor Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg zum Park. Unsere erste Safari mit eigenem Auto und ohne Guide. Wir sind extrem aufgeregt. Die erfahrenen Guides kennen sich aus und wissen genau, wo sie wann nach welchen Tieren Ausschau halten müssen und verständigen ihre Kollegen bei einem besonderen Fund. Wir müssen jetzt allein klarkommen. Doch gerade weil es schwieriger ist, begrüßen wir jedes erste Exemplar einer neuen Tierart umso freudiger. Es geht recht klein los mit Schildkröten, Impalas und Warzenschweinen. Bald schon sehen wir aber auch die ersten Gnus, Elefanten, Zebra- und Giraffenherden. Bei Giraffen, zum Beispiel, sichtet man erst eine, aber wenn man dann stehen bleibt und sucht, findet man auf einmal eine nach der anderen, wie im Suchbild. Moppi macht sich schnell mit unserem Allradantrieb vertraut und bald schon flößen Matsch und vor Allem tiefer Sand nicht mehr ganz so viel Respekt ein.

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Büffel - groß und bullig, aber auch ein bisschen langweilig

Mittags liegen die meisten Tiere auf der faulen Haut und sind schwer zu sichten, da ist escauch für uns Zeit für eine Pause. Wir fahren zur Ihaha Lodge, einem der teuren Campingplätze innerhalb des Parks, um dort Mittag zu essen. Wir wollen uns etwas kochen und außerhalb der Camps ist das Aussteigen aus dem Wagen streng verboten. Der Campingplatz liegt einsam und verlassen und wir essen unsere Pasta mitten im Busch mit Blick auf den Chobe-Fluß. Ein paar Tage später werden wir in der Lokalzeitung lesen, dass in genau der Nacht, in der wir dort übernachten wollten, eine junge Familie von Bewaffneten in ihrem Zelt überfallen und bis aufs letzte Hemd beraubt wurde. Für die Familie ist das sehr traurig. Wir sind zugegebenermaßen etwas erleichtert, uns gegen eine Übernachtung im Park entschieden zu haben.

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Wir kochen uns was, genießen die Ruhe und dann geht's weiter

Nach dem Essen fahren wir satt und entspannt weiter, finden von allen bisherigen Tierarten noch mehr Exemplare und sind schon sehr zufrieden mit unserer Ausbeute. Einzig die Löwen fehlen uns noch. Angeblich ist derzeit nur ein Rudel im Park unterwegs, und der ist groß. Am späten Nachmittag kreuzt in knapp 200 Metern etwas bräunlich-gelbes unseren Weg, kaum zu erkennen. Es könnte alles Mögliche sein. Wir fahren schneller und sehen gerade noch, wie das Löwenrudel im hohen Gras verschwindet. Zum Glück gibt es einen schnell erreichbaren Weg auf der anderen Seite und als wir ankommen finden wir zu unserer Begeisterung: das Löwenrudel. Ein irres Gefühl, so nah neben einem ausgewachsenen Löwen und seinen Damen zu sitzen! Wir verweilen ziemlich lange bis die sechs langsam von Dannen trotten.

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Viele Meter trennen uns nicht von den Löwinnen

Gegen Ende unserer privaten Safari schauen wir noch einer großen Elefantenherde am Wasserloch zu. Dummerweise will die Herde nach dem Trinken zurück in den Busch und unser Wagen scheint genau im Weg zu stehen. Wir haben gelesen, dass man Elefanten nicht zu nah kommen sollte und wenn man zu dicht ist, sollte man nichts Überraschendes tun, wie z.B. den Motor zu starten. Außerdem stand in den Safarireiseführern, dass man es schnell merkt, wenn ein Elefantenbulle wütend wird. Die erste Warnung ist ein Kopfschütteln und Ohrenschlackern, die zweite Warnung ein erhobener Rüssel und lautes Trompeten und eine dritte gibt es nicht mehr. Dann rast er im schlimmsten Fall schon auf den Wagen zu und gegen solch einen Koloss wird man wohl meistens den Kürzeren ziehen

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Massige Passanten sind keine Seltenheit

Die Herde kommt also genau auf uns zu und der offensichtliche Chef schüttelt schon mal seinen gewaltigen Kopf. Sie kommen immer näher und sind schon zu nah um jetzt noch den Motor anzulassen und wegzufahren, ohne sie noch mehr zu erschrecken. Der Boss hebt seinen Rüssel und trompetet und langsam wird uns etwas mulmig. Doch er steht nun direkt hinter unserem Wagen und leitet seine ganze Herde ein paar Meter weiter um uns herum. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel. Als sie alle verschwunden sind, atmen wir auf und machen uns auf den Weg nach Hause. An einem Tag Safari auf eigene Faust haben wir mehr gesehen und erlebt als wir zu hoffen gewagt haben. Zufrieden fahren wir zurück ins Camp und fallen todmüde ins Zeltbett.


Good luck in the wilderness

So far crossing borders never stressed me out and I used to be super chilled despite menacingly looking Russian border officials with their attack dogs (Moppi was really nervous). Crossing the Botswanan border was different though. At first one clerk tried to overcharge us about the fee for transferring a foreign car. We stayed persistent but still felt very odd about it. When we finally got all the necessary documents and were about to actually cross the border the last official looked grumpily at our papers, figured out that we come from the EU and promptly asked us to pay 100 Euros. Moppi just asked him dryly: what for? Then he started laughing, pretended it has been just a joke and let us pass. We didn’t find it that funny as we were certain that he was not joking but trying to make some extra money.

Our first impression about Botswana was not much different from South Africa. There were the same supermarket and fast food chains, and the roads seemed to be equally good. The only difference was that you didn’t see any other white people anymore. Something really new to us were the veterinary checkpoints. Botswana is making a large portion of its revenues by exporting beef. A few years ago the country was hit hard by the foot- and mouth disease. Since that time the meat transportation within the country is strictly controlled. Theoretically. Every 100 km or so there is a veterinary checkpoint where you have to stop. The officials ask you if you transport any meat and maybe even your trunk is being checked. In reality sometimes there was nobody at these checkpoints and if there was, the clerk didn’t even look up, or just waved us through. Only once we were actually stopped and checked. Moppi told them good-humoredly that we didn’t have any meat with us while I got a little nervous. Only when we drove on I reminded him about the barbeque steaks we brought from South Africa.

We drove as far as we could until it got dark and checked into the Nata Lodge in the east of the country. Quite close to the Lodge is the Nata bird sanctuary, our first stop the next morning. Wildebeests were the biggest animals we could spot there, but apart from that there were plenty of bird species, flamingoes and pelicans for instance to name the most popular ones. The large salt pan gave us such a wide view and made watching the animals in the wild a real happening. Even on the road outside the park there were many signs warning about warthogs crossing and even signs for giraffes and elephants. To be honest we could not really imagine meeting wild animals just like that on a road. When we finally saw our first elephants next to the road we literally freaked out. Of course we stopped and took some pictures, who knows if there will be some more later on.

Our trip brought us up north to Chobe national park, the most popular national park in Botswana. We would love to camp inside the park but as there were only a small number of very pricy camps we soon condemned that idea. A few days later we learnt that this decision was one of our best. Close to the park entry gate there was a nice camp directly by the river Chobe where we stayed instead of that. By the river shore there were warning signs too; beware of crocodiles and hippos. We didn’t see or hear any crocos though, but the hippos kept us awake half of the night by their stamping and grunting noises.

Before sunrise we were up and away to the park. Our first safari with our own car and without a guide! The experienced guides know the park, especially when and where to look for which animals and in case they find something really interesting they call their colleagues. This time it was our own responsibility to stay safe and spot some interesting species. But especially as it was more difficult for us we were even happier about every new kind of animal that we found. At first we started quite small, we saw some turtles, impalas and warthogs. Soon we spotted some wildebeests, elephants, zebra and giraffe herds. Giraffes for example were like hidden objects. First you just saw one, but if you stopped and stared you found one by one more. Moppi got used to our four wheel drive very quickly and after a while he was not nervous anymore about muddy and sandy grounds.

At noon most animals doze lazily in the sun and are hard to spot, so it was time for us to take a break too. Therefore we drove to the Ihaha Lodge, one of the expensive camp sites within the park, to have lunch. We wanted to cook something and outside the camp getting out of the vehicle was strictly prohibited for your own safety. The camp was totally deserted and we ate our pasta alone with a nice view on the river Chobe. A few days later we would read in the local newspaper that exactly the same night when we wanted to camp in Ihaha a young family was attacked in their tent and the gunmen robbed everything from them. We were really sorry for that family, but honestly we were glad that we changed our mind about staying there.

After lunch we drove on in ease and good-humored and found some more animals of all the species we spotted before. We were really happy about our variety of game. Only lions were still on our wish list. Allegedly there was a lion pride somewhere in the park, but this park indeed is huge. In the late afternoon something yellowish or light brown crossed our path, it was really hard to recognize. It could be everything. Moppi drove faster and in the last second we saw the pride vanishing in the high grassland. Luckily there was another path close by and when we arrived there: we found the lion pride! It was such a strange yet amazing feeling to sit right next to a grown up lion and his lion ladies. We stayed very long watching them until eventually this group of six trotted away.

At the end of our private safari we watched an elephant herd drinking at the water hole. Unfortunately the group wanted to go back into the bush after drinking and our car was parked right in the middle of their way. Before that trip we read you shouldn’t come too close to the elephants and if you actually are already too close you should not upset them by doing something surprising, such as starting the car. Furthermore, all these safari guides wrote that you will quickly learn if an elephant bull is angry by his so called mockcharging. The first warning or mockcharge is shaking his head and flapping his ears. The second mockcharge would be his trunk rising up and a loud trumpeting. Thirdly is actually not a warning anymore. In the worst case he would run toward your car and God knows he would win this battle.

So the elephant herd was approaching us and the obvious boss was already shaking his head. They came closer and closer and then they were already too close to start the car and leave. The boss lifted up his trunk and oh my God did he trumpet. We got really scared but then he decided not to harm us, instead he waved his trunk to the herd to show them to cross the path behind our car. What an impressing sight! After all of them left we went back home. One day of self organized safari gave us more adventures and animals than we ever hoped for. Happily and tired we collapsed into our tent beds.

2 Gedanken zu “Viel Glück in der Wildnis

  1. Ach schön! So eine Tour möchte ich unbedingt auch mal machen. Schöne Erinnerungen für euch…
    Das Bild mit dem ‚Exit Vögeln‘ ist echt gelungen!

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